[Review] Mai-Lektüre

Juni 11, 2017 at 13:11 (Review)

Die erste Hälfte des Monats Mai habe ich gefühlt nur Sarah J. Maas gelesen. Erst in der zweiten Monatshälfte hatte ich wieder mehr Muße zum Lesen. Dann brauchte ich etwas Abwechslung und habe sogar meinen Klassiker und mein Sachbuch vom Stapel beendet. Zwischendurch war ich vollkommen versunken in eine Kurzgeschichtensammlung.

1./2. Sarah J. Maas: A Court of Thorns and Roses / A Court of Mist and Fury (Prythian 1+2)

Das war unerwartet. Nachdem mich der Anfang von ACoTaR eher langweilte, hatte ich mich plötzlich richtig festgelesen. Manches, was ich zu Beginn nicht ganz nachvollziehbar fand, klärte sich auch zum Ende hin auf, sodass ich meine Bewertung in der zweiten Hälfte nach oben korrigierte. Beim zweiten Band ging es mir ein bisschen anders, den fand ich zu Beginn besser als im letzten Drittel (Rhysand entpuppte sich leider als richtiger Softie, was die Szenen mit ihm irgendwie ruinierte), obwohl das tatsächliche Ende auch wieder gelungen ist. Man sollte vielleicht nicht zu intensiv über die Romane nachdenken, denn sie sind keineswegs fehlerlos, aber während ich so im Lesefluss war, habe ich sie über weite Strecken wirklich sehr genossen.

3. Nina Blazon: Lillesang

Ich habe schon viele Bücher von Nina Blazon gelesen, dieses reiht sich in die Romane für eine etwas jüngere Zielgruppe ein. Hübsch düstere Meerjungenfrauengeschichte mit dänischem Lokalkolorit.

4. Martin Suter: Allmen und der rosa Diamant (Allmen 2)

Nett. Nicht ganz so nett wie der erste Band um Allmen, den Lebemann, und sein Faktotum Carlos, aber trotzdem. Ein entspannter Krimi mit einem etwas anderen Ermittler, dessen IT-Thema diesmal nicht ganz so gut zur Reihe passt wie die Libellenschalen. Liest sich amüsant und schnell, ist auch nicht umfangreich.

5. The Very Best of Charles de Lint

Dieses Buch habe ich sehr genossen! Ich wollte eigentlich nur ein oder zwei Kurzgeschichten aus dem Band lesen, aber irgendwann hat mich die imaginäre Stadt Newford richtig eingefangen. De Lint hat um die 15 Bücher, Romane und Kurzgeschichtensammlungen, geschrieben, die in dieser Stadt spielen – eine mystisch-folkloristisch angehauchte Urban Fantasy aus der prä-kickass heroine-Zeit, von der ich unbedingt mehr lesen muss. Sieht man dann auch, wenn ich meine Neuzugänge zeige.

6. Philipp Blom: Der taumelnde Kontinent ~ Europa 1900-1914

Ich habe ziemlich lange für dieses Sachbuch gebraucht, was durchaus auch darauf zurückzuführen ist, dass ich nicht immer glücklich damit war. Der Einstieg war gut, auch die Prämisse, die Epoche als eine in sich spannende und dynamische Zeit zu verstehen und nicht nur als Vorkriegsjahre, gefällt mir nach wie vor. Auf politische Entwicklungen geht Blom daher nur am Rande ein. Der Stil ist anekdotenhaft, mitunter reißerisch. Gefallen haben mir in erster Linie die Kapitel zu Themen, mit denen ich mich weniger auskenne, etwa zum Kongo oder zum Schiffsbau, aber auch aus anderen Kapiteln habe ich einiges mitgenommen.

Was ich nicht mochte, war der Fokus; Blom schreibt wie ein Geisteswissenschaftler in dem Sinne, der mir nicht liegt, nämlich mit einer ärgerlichen Überbetonung von Genderfragen, Psychoanalye und moderner Kunst. Vor allem ersteres ging mir mächtig auf den Zeiger, auch weil es mich schlicht wenig interessiert – fortwährend vor allem in den mittleren Kapiteln schwadroniert er über die Krise der Männlichkeit und die Frauenbewegung, wobei mich gelegentlich krampfhaft sexualisierte Deutungen egal welchen Themas, Wiederholungen und einseitige Wertungen gestört haben. Beim Thema Nervenkrankheiten wird beispielsweise der Aspekt, wie eine Modekrankheit funktioniert, völlig außer acht gelassen. Für mich eine mittelmäßige Lektüre.

7. W.S. Maugham: Der Magier

Mein erstes Buch von Maugham, ein „parapsychologischen Roman“ aus dem Umfeld der Pariser Bohème, dem ein sehr sympathisches autobiographisches Fragment vorangestellt ist. Die Bezüge zu Aleister Crowley (das Vorbild für Oliver Haddo) haben mich sehr amüsiert, die Personen sind teilweise hervorragend beschrieben, und der schwere, blumige Stil hat hervorragend zum Thema gepasst.

8. Barbara Sleigh: The Kingdom of Carbonel (Carbonel 2)

Ein englischer Kinderbuchklassiker zum Wohlfühlen aus den 60er Jahren um sprechende Katzen und viel Hexenzauber. Rosemary und John kennt man schon aus dem Vorgänger, und das Katzenkönigreich ist eine wirklich schöne Idee.

9. Perplies/Humberg: Jagd auf den Unsichtbaren (Die unheimlichen Fälle des Lucius Adler 2)

Immer noch finde ich die Darstellung der aus dem Holmes-Kanon bekannten Figuren mäßig bis unpassend, aber da es um diese nur am Rande geht, kann ich das verschmerzen. Die Abenteuer von Lucius und seinen Freunden haben nämlich viele Elemente, die ich mag, ich wünschte nur, sie wären etwas tiefgehender. Leider trauen deutsche Kinderbücher den Lesern oft weniger zu als die englischsprachigen Middle Grade-Bücher – dazu passt eigentlich wenig, dass Anspielungen wie „Carnacki, der Geisterfinder“ eher von Erwachsenen verstanden werden dürften (ich habe mich sehr darüber gefreut!).

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