[Review] Februar-Lektüre

März 10, 2017 at 23:04 (Review)

Ein Buch vom Winterstapel war noch drin, mehr dann leider nicht mehr, weil ich in der zweiten Monatshälfte sehr eingespannt war. Ein paar Märchen habe ich gelesen, ein paar Kriminalromane, und gegen Ende des Monats wurde es wieder etwas phantastischer. Über weite Strecken habe ich auch an „Great Expectations“ gelesen, das ich aber erst im März beenden werde.

1. Janine Wilk: seelenlos ~ Fluch der Rauhnächte

Ich lese gerne Geschichten, die die Rauhnächte thematisieren, und von Janine Wilk habe ich schon „Lilith Parker“ recht gerne gelesen. „seelenlos“ liest sich ähnlich locker und nett, wobei mir etwas Besonderes gefehlt hat. Leider waren zudem einige entscheidende Wendungen sehr vorhersehbar.

2. John Connolly: Dark Hollow (Charlie Parker 2)

Auch ein zweiter Teil, auch ein Thriller (wie Nummer 3), hat mir aber viel, viel besser gefallen. Diese Reihe werde ich unbedingt weiter verfolgen. Ich liebe die ausführlichen Beschreibungen, die düstere und gefährliche Atmosphäre, die grauschattierten Charaktere und den Galgenhumor in einigen Dialogen. Für meinen Geschmack dürften weniger Figurene erschossen werden, aber es passt zum Buch. Und die leisen übernatürlichen Anklänge sind sicherlich nicht für jeden Leser etwas, für mich aber das Sahnehäubchen 😉

3. U. Poznanski: Blinde Vögel (Kaspary & Wenninger 2)

Ich habe Band 1 ursprünglich nur gelesen, weil Band 2 so spannend klang: Morde in einer Facebook-Gedichte-Gruppe – ich mag, wie die Autorin wieder einmal moderne Technik in ihre Bücher einbindet. Leider hat mich dieser Band ebenso wie schon der Vorgänger enttäuscht. Nicht nur, dass die Lösung weder mit Facebook noch mit Gedichten etwas zu tun hat; die Ermittlerin empfinde ich als äußerst unangnehm, selbstmitleidig und unprofessionell. Sie verrennt sich in Ideen, die sie nur aufgrund vager „Intuitionen“ bockig verfolgt, und verknallt sich klischeehaft in ihren Kollegen. Der Fall tritt ewig auf der Stelle, und Kaspary tut eigentlich gar nichts außer Facebook zu lesen. Ihre Kinder sind erzählerisch ausschließlich dazu da, irgendwo abgegeben zu werden. Soweit ein kleiner Einblick – den Schluss fand ich wie in jedem Poznanski-Buch, das ich kenne, misslungen und habe ihn mehr oder weniger überflogen. Für mich ist die Reihe damit beendet. Positivster Punkt: ich habe „Ein weißes Schloß in weißer Einsamkeit“ von Rilke kennengelernt!

4. Isländische Märchen und Sagen

Eine Sammlung von Märchen, aus der ich über längere Zeit immer wieder ein oder zwei gelesen habe und die mir gut gefallen hat. Aus dem Nachwort entnommen einige Aspekte, die die isländischen Märchen interessant machen: die isländische Landschaft; Einflüsse von germanischer Mythologie und skandinavischen Märchen (Elfen, Zwerge, Wassergeister, Riesen und Trolle); es gibt Spuksagen und Sagen um Zauberer, aber auch typische Märchenmotive wie Schwiegermütter, magische Flucht, magische Hilfe von Tieren.

5. Die schönsten Märchen von Hexen, Prinzen und von Riesen

Ein weiteres Märchenbuch, das 14 europäische Märchen beinhaltet, zum Beispiel aus Schottland, Norwegen und Ungarn. Habe ich zügig und mit Genuss gelesen. Im Gedächtnis geblieben ist mir „Der begrabene Mond“ aus England.

6. Elly Griffiths: The Crossing Places (Dr. Ruth Galloway 1)

Eine Krimireihe, die wie auch die Charlie Parker-Reihe viel Wert auf Atmosphäre legt. Hier sind es allerdings englische Landschaftsbeschreibungen (Norfolk). Ruth ist Archäologin, und ihr Wissen fließen ebeneso wie keltische Folklore und Druidentum in die Fälle ein. Diese Punkte machen für mich zusammen mit Ruths Entwicklung (ein wenig weiß ich schon über die nächsten Bände) den Reiz aus. Ansonsten lassen sich in Aufbau und Charakterzeichnung sicherlich noch einige Schwachpunkte finden, aber ich wurde ganz gut unterhalten 🙂

7. Haruki Murakami: Wilde Schafsjagd

Ich hatte Startschwierigkeiten mit diesem Buch, weil ich die ersten Kapitel nicht wirklich interessant fand. Dadurch habe ich es immer wieder zur Seite gelegt, aber es nun – Lesestapel sei dank – richtig in Angriff genommen. Und siehe da: sobald diese Schafgeschichte einmal losging, war ich gefesselt. Es ist ein früher Murakami-Roman, der nicht so ausgereift ist wie spätere Werke, aber man kann viele typische Elemente bereits erkennen.

8. Peter David: Wählt König Arthur!

Bei humorvoller Fantasy kann man sich im Vorfeld nie sicher sein, ob der Ton einem liegt. Mit diesem Buch, das ursprünglich 1987 erschien, kam ich erfreulich gut zurecht. Artus und weitere bekannte Gestalten von Merlin bis Morgan im modernen New York, wo Artus als Arthur Penn für das Bürgermeisteramt kandidiert. Sein Wahlkampf ist recht unkonventionell, kommt aber bei den Wählern überraschend gut an…

9. Tonke Dragt: Ein Brief für den König

Reread mit Nostalgiebonus. Ein ganz klassischer Fantasyroman für jüngere Leser, der leider im Deutschen leicht gekürzt wurde. Fühlt sich ein wenig wie eine Sage an, und ich habe das Lesen wieder sehr genossen. Die Königreiche Dagonaut und Unauwen sind für mich wieder schnell lebendig geworden, obwohl die Mittel ganz einfach sind – Bezeichnungen, die man so braucht, werden zum Beispiel meist einfach mit Farben gekennzeichnet (das Braune Kloster, der weiße Ritter mit dem weißen Schild, der Blaue Fluss usw. 😉 ).

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5 Kommentare

  1. Winterkatze said,

    Oh, ich wusste gar nicht, dass die deutschen Ausgaben von Tonke Dragt gekürzt waren. So was ärgert mich ja immer – vor allem, wenn es im Original um Sprachen geht, die ich nicht genug verstehe, um mir davon Romane zu kaufen.

    Elly Griffiths habe ich mal auf meine Bibliotheksliste gesetzt. Von ihr gibt es einige Bände im Bestand – leider ist gerade nur ein späterer Teil vormerkbar, da muss ich also direkt vor Ort gucken. 🙂

    • Kiya said,

      Ich wusste es auch nicht – ich bin erst bei diesem Lesen darauf gestoßen, jedenfalls bei „Der Brief für den König“ und „Der wilde Wald“. Geringfügig gekürzt gegenüber dem Original steht drin 😦 Eine Alternative sind noch die englischen Ausgaben, die es inzwischen gibt und die wirklich sehr schön sind – darin ist zum Beispiel auch eine Karte enhalten. Ich schätze, sie sind ungekürzt.

      Versuch mal dein Glück mit Elly Griffiths 🙂 Was ich oben vergessen habe: besonders schade, was die Konstruktion des Plots angeht, ist, dass ich einen starken Verdacht den Täter betreffend bereits bei seinem ersten Auftauchen hatte *seufz*

      • Winterkatze said,

        Es fühlt sich für mich immer komisch an, wenn ich wegen der Bearbeitung der deutschen Ausgabe auf eine andere Übersetzung zurückgreifen müsste, um den Text vollständig lesen zu können. Aber ich halte die englische Ausgabe mal im Hinterkopf, wenn ich da doch mal aktiv werden möchte.

        Das mit dem Täter passiert mir häufiger, wenn der Rest stimmt, kann ich damit leben. 🙂

  2. Neyasha said,

    Mich hat der Vorgänger, zu „Blinde Vögel“ auch nicht überzeugt und ich mochte die Ermittlerin nicht – daher habe ich diese Krimireihe von Poznanski gar nicht erst weiter verfolgt.

    Das mit den Kürzungen in „Der Brief für den König“ ist gut zu wissen. Ich will den Roman endlich mal lesen, aber vielleicht greife ich dann eher zur englischen Übersetzung. Wie Winterkatze fühlt sich sowas für mich immer komisch an, aber ich habe auch schon mal bei Takamis „Battle Royale“ zur englischen Übersetzung gegriffen, weil die Deutsche so holprig zu lesen war.

    • Kiya said,

      Interessant, wie sich hier die Kaspary-Verächter sammeln 😉 Sonst habe ich überwiegend positive Stimmen vernommen.

      Ich verstehe euch und greife in solchen Fällen normalerweise auch auf die deutsche Übersetzung zurück (eine Ausnahme habe ich zum Beispiel bei „Eugene Onegin“ gemacht, wo die englische Übertragung viel besser sein soll).
      Ich behalte auch meine zerlesenen deutschen Ausgaben und werde sie weiterhin in Ehren halten! Aber die englischen Ausgaben gefallen mir ergänzend sehr gut, und von einigen Stichproben her würde ich sagen, dass der Tonfall im Englischen etwas weniger kindlich gehalten ist.

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