[Tags] Klassiker-Tag & The Classics Booktag

September 30, 2016 at 19:57 (Aktionen, gelesen)

Ich bin gleich auf zwei Klassiker-Tags gestoßen und weil die Fragen sich irgendwie ergänzen, mache ich sie gleich beide in einem Rutsch. Ich wollte aber die Gelegenheit gleich nutzen, ein paar Einblicke in die Klassikerecken in meinen Regalen zu geben.

Den ersten Tag habe ich im Buchsalon aufgestöbert und mitgenommen.

20160930_1428361. Liest du auch heute gerne noch Klassiker oder sind sie ein Übel, das du mit deiner Schulzeit hinter dir gelassen hast?

Ja, hin und wieder. Das Lesen-Müssen habe ich allerdings nicht mit der Schule, sondern mit dem Studium hinter mir gelassen 😉

2. Warum Klassiker (oder warum eben nicht)?

Zunächst mal aus dem Grund, aus dem ich jedes andere Buch auch lese: weil mich die Geschichte interessiert. Bei Büchern, die nicht aus dem aktuellen Jahrzehnt stammen, Klassikerstatus oder nicht, kommt immer auch ein Interesse daran hinzu, wie die Entstehungszeit sich im Text widerspiegelt. Schließlich gibt es tatsächlich das eine oder andere Buch, bei dem ich finde, ich sollte es mal gelesen haben, etwa weil es Grundlage für viele Adaptionen, Anspielungen, Theorien oder Kontroversen ist.

3. Drama oder Epik (oder Lyrik)?

Epik. Dramen weiß ich auch zu schätzen, aber ich lese sie nur selten. Und es gibt auch Gedichte, die ich mag, aber ich bin da kein besonderer Gourmet und habe wohl nichts besonders Überraschendes im Regal. Stefan George hatte ich allerdings als eines meiner Prüfungsthemen ausgewählt 🙂

Meine Gedichtsammlung ist auch ziemlich klein:

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4. Deutsche Klassiker oder Klassiker aus anderen Ländern?

In Schule und Studium (sofern es Germanistik heißt und nicht Anglistik, Komparatistik o.ä.) begegnen einem ja fast nur deutsche Klassiker, was ich wirklich schade finde. Momentan möchte ich vor allem englische und amerikanische Klassiker nachholen, weil es für mich wirklich noch einiges zu entdecken gibt, während ich bei deutschen Klassikern das Gefühl habe, vieles schon abgegrast zu haben. Auch den einen oder anderen französischen Autor möchte ich noch (besser) kennenlernen. Manchmal läuft mir ein Klassiker aus anderen Ländern über den Weg, aber ich halte nicht gezielt danach Ausschau.

5. Klassiker im Original lesen?

Gute Idee, setzt aber natürlich Sprachkenntnisse voraus. Deutsche Klassiker lese ich natürlich auf Deutsch, englische Klassiker versuche ich auf Englisch zu lesen, wobei ich mich gelegentlich von großem Umfang abschrecken lasse. Bei Shakespeare reicht mein Englisch für die Feinheiten nicht aus, deshalb besitze ich die zweisprachige dtv-Ausgabe mit Anmerkungen zur Übersetzung.

6. Achtest du darauf, welche Übersetzung du liest?

Selten. Die meisten Klassiker, die ich lese, sind im Original Deutsch oder Englisch, dann stellt sich das Problem kaum. Bei Übertragungen von Versen achte ich allerdings verstärkt darauf – bei Puschkin etwa habe ich mich nach kurzer Recherche für eine Übersetzung ins Englische entschieden, und auch bei Homer habe ich verschiedene Übersetzungen verglichen, bevor ich mich für eine entschieden habe.

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7. Hast du eine Lieblingsepoche?

Ich mag das lange 19. Jahrhundert und danach auch noch die 20er/30er Jahre, um es ganz grob zu sagen. Nicht alles (Naturalismus ist einfach nicht so mein Ding), und natürlich lese ich auch aus anderen Jahrhunderten, aber hier konzentriert sich mein Interesse.

8./9. Hast du einen Lieblingsklassiker und einen Lieblingsautoren?

Ich mache es wie meine Vorgänger und beantworte die Fragen zusammen. Auf einen Klassiker möchte ich mich nicht festlegen – aber wenn, wären es wohl die „Sherlock Holmes“-Geschichten, die meine Kindheit mitgeprägt haben 🙂

Grundsätzlich liebe ich unheimliche Geschichten und Kinderbuchklassiker. So bin ich ja nicht die einzige, die Alice-Ausgaben hortet (nicht nur, weil ich das Buch mag, sondern auch, weil nur wenige Klassiker so viele wunderschöne Ausgaben erhalten). Einige Romantiker habe ich sehr gerne gelesen (E.T.A. Hoffmann, Ludwig Tieck). Ansonsten aus dem 19./20. Jahrhundert fallen mir spontan ein: Oscar Wilde, Charles Dickens, Charlotte Brontë, Gottfried Keller, Arthur Schnitzler, Joris-Karl Huysmans, Dürrenmatt, Borges und Thomas Mann.

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10. For fun or for real?

Ich habe unter anderem Germanistik studiert, beschäftige mich aber lieber mit Literaturgeschichte, Kultur- und Sozialwissenschaft als mit Textinterpretation. Nach dem Studium (da habe ich mir dann schon passende Seminare wie „Literatur und Macht“ oder „Literatur und Psychoanalyse“ gesucht 😉 ) war in Hinblick auf Klassiker einige Jahre lang die Luft raus, inzwischen lese ich hin und wieder mal einen (etwas weniger, als ich gerne möchte) – for fun.

***

Der zweite Tag ist von It’s a books world und hat wie gesagt etwas andere Fragen, auf die ich aber auch Lust hatte.

1. An overhyped classic you really didn’t like:

Wenn es als Klassiker zählt, dann die bereits hin und wieder von mir genannten „Der Fänger im Roggen“ und „Der kleine Prinz“. In letzter Zeit enttäuscht hat mich „Frankenstein“, allgemein halte ich Schiller für überschätzt und einige weitere Schullektüre, die ihrer Themen, nicht ihrer Qualität wegen dauernd wiedergekäut werden („Der Vorleser“, „Der Untertan“, „Die neuen Leiden des jungen W.“).

2. Favorite time period to read about:

Im Unterschied zur Epochenfrage oben geht es hier nicht darum, aus welcher Zeit der Autor stammt, sondern in welcher Zeit der Text spielt. Trotzdem: das späte 19. Jahrhundert bis in die 20er Jahre hinein. Wenn der Fokus auf Technik/Wissenschaft liegt, aber auch Renaissance und Barock.

20160930_1413233. Favorite Fairy-tale:

Viele Kindheitserinnerungen, was die Grimm-Märchen betrifft, habe ich an „Hänsel und Gretel“ und an „Schneeweißchen und Rosenrot“. Außerdem habe ich zwei alte Märchenbücher, die ich immer wieder gelesen habe („Bulgarische Märchen“ und „Das Reckenschiff“ mit russischen Märchen).

Heute schätze ich auch die Märchen von Hans Christian Andersen sehr und lese mich außerdem in Märchen gerne um die ganze Welt (ich habe u.a. Sammlungen finnischer, chinesischer, afrikanischer, südamerikanischer, ungarischer und isländischer Märchen).

4. What is the most embarrassed classic you haven’t read yet:

„Faust II“. Ich bin unendlich langsam, weil ich mit Kommentar lese, habe zudem lange nicht weitergelesen und stecke daher seit mehreren Jahren im 3. Akt fest. „Der Zauberberg“ liegt ebenso lange unbeendet – dabei hat es mir bis dahin wirklich gut gefallen. Bei beiden Büchern ärgert mich, daß ich damit so lange nicht vorangekommen bin, gleichzeitig habe ich gerade wenig Muße, mich wieder reinzudenken.

5. Top 5 classics you would like to read (soon):

Jules Verne: 20000 Meilen unter dem Meer

Mark Twain: Ein Yankee aus Connecticut an König Artus‘ Hof

Oscar Wilde: The Importance of Being Earnest

Charles Dickens: Great Expectations

Alexandre Dumas: Die drei Musketiere

6. Favorite modern book/series based on a classic:

Meist mag ich dann direkt den Klassiker lieber, also nenne ich vielleicht ganz klischeehaft die Märchenadaptionen, die es inzwischen zuhauf gibt. Damit kann man, weil sie oft kurz sind und Raum für Neuinterpretation lassen, wirklich viel machen, und ich finde es sehr spannend, wie diese fast schon Archetypen in die heutige Zeit transportiert werden.

7. Favorite movie version/tv-series based on a classic:

Ich kenne mich mit Klassikverfilmungen nicht gut aus, aber die BBC-Verfilmungen finde ich meist nicht schlecht. Oh, und ich mag natürlich die Serie „Sherlock“ – ich bin normalerweise sehr skeptisch bei solchen Verlegungen ins 21. Jahrhundert, aber hier hatte ich wider Erwarten schon beim Trailer ein gutes Gefühl, das sich über die Staffeln hinweg bisher auch bestätigt hat.

8. Worst classic to movie adaptation: 

Wie gesagt, ich bin da wenig kenntnisreich, und bei schlechten Verfilmungen gilt das umso mehr, aber ich erinnere mich, die Verfilmung von „Stolz und Vorurteil“ mit Keira Knightley überhaupt nicht gemocht zu haben. Ob es das zur „schlimmsten“ Verfilmung macht, wage ich aber zu bezweifeln 😉 Den neuen „Gatsby“ fand ich überwiegend auch merkwürdig, aber das Buch hat mich auch nicht so umgehauen.

9. Favorite edition(s) you’d like to collect more classics from:

Ich mag auf Deutsch die Fischer Klassik Edition und die Bücher vom Deutschen Klassiker Verlag, auf Englisch die Clothbound Classics, die Bücher der Folio Society, die Barnes & Noble Leatherbound Classics sowie die Word Cloud Classics, bei Kinderbüchern die New York Review Children’s Edition und die Vintage Children’s Classics.

Keine richtige Edition, aber Diogenes hat ein gutes Händchen bei der Autorenauswahl (legt nur leider zu oft vergriffene Bücher nicht wieder auf), und Anaconda hat ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis und sehr schöne Schuber. Von Reclam bin ich ziemlich abgekommen – wenig Innovation und für den Preis bekommt man leider mittlerweile schönere Ausgaben.

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10. An underhyped classic you’d recommend to everyone:

Ich tue mich schwer damit, irgendwelche Bücher jedem zu empfehlen, die Vorlieben sind ja da glücklicherweise unterschiedlich. Ich würde mich generell freuen, nicht überwiegend nur Besprechungen von Neuerscheinungen zu sehen – und beim Thema Klassiker nicht immer nur Jane Austen 😉

Wenn Stanislaw Lem zählt, würde ich diesen Namen gerne nennen. Großartig fand ich ansonsten in den letzten Jahren Evelyn Waugh, der jedenfalls hier in Deutschland nicht sehr oft gelesen zu werden scheint. Seine Bücher erscheinen bei Diogenes, aber das Original ist spritziger.

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3 Kommentare

  1. BuecherFaehe said,

    Welche Übersetzung von Homer hast du denn genommen, wenn ich fragen darf? (:

    Die Anaconda-Bücher mag ich auch sehr, wobei ich da mittlerweile vorsichtig bin, seitdem ich ein gekürztes Buch gekauft habe und es nicht wusste. :/

    Den Deutschen Klassiker Verlag mag ich auch sehr gerne, obwohl ich bisher nur ein Buch davon habe. Aber mir kommt dieser Verlag so vertrauensvoll und hochwertig vor.
    Reclam mag ich sehr gerne, wenn es mir nur darum geht, den Text irgendwie Zuhause zu haben. Bei Reclam sind mir geknickte Seiten usw. nämlich egal.

  2. Kiya said,

    Ich hatte erst eine Reclam-Ausgabe und kam mit der Übersetzung nicht so gut zurecht (ich glaube, ich fand sie zum Lesen einfach holprig, aber da bin ich nicht mehr sicher), außerdem wollte ich eine schönere Ausgabe. Ich habe mich jetzt auch nicht wochenlang akribisch damit beschäftigt, aber darauf geachtet, daß ich keine Prosafassung und schon gar keine modernisierte erwische.
    Ich hab jetzt die Voß-Übersetzung in der Fischer Klassik-Ausgabe. Ist bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluß, aber mir war die Lesbarkeit bei diesem Text wichtiger als die Genauigkeit, da ich ihn ja nicht für ein Seminar o.ä. brauche.
    Welche hast du und warst du damit zufrieden?

    Hu, gekürzt ist bitter. Das mag ich auch nicht – deshalb habe ich meinen alten Robinson Crusoe-Kinderklassiker inzwischen entsorgt und eine andere Ausgabe besorgt.
    Auf den Bildern siehst du ja evtl., was ich vom Deutschen Klassiker Verlag habe. Leider ist die Auswahl nicht besonders groß, und manches interessiert mich auch gar nicht. Aber vor allem die Faust-Ausgabe ist hervorragend.

    Inzwischen greife ich eher zu Anaconda, wenn ich nur den Text haben will. Reclam wird mir einfach zu teuer für die dünnen Heftchen. Wirklich schade!

  3. BuecherFaehe said,

    Hm, mit Voß kann man aber auch nicht so viel falsch machen, immerhin ist er ja berühmt dafür.
    Meine Übersetzung ist von Thassilo von Scheffer. Mit der bin ich sehr zufrieden, sie ist auch in Versform, was mir (im Nachhinein) auch wichtig war. „Ilias“ und „Odyssee“ waren bei mir ja ein Spontankauf, weil ich die in einer Buchhandlung entdeckt habe, die auch antiquarische Bücher verkauft hat. Vergleichen konnte man dort also nicht.

    Hm, ja, so ein dickes Reclam kann ja auch schon 10 Euro oder mehr kosten. Aber dafür sind sie sehr handlich. (: Aber zum Glück gibt es ja für jeden Geschmack den passenden Verlag. (:

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