[Ich lese] Naomi Novik: Drachenbrut

April 10, 2016 at 17:02 (Ich lese)

Eigentlich war ich nie ein besonders großer Fan von Drachenbüchern. Aber um einmal aus „Die Kunst der Scheibenwelt“ zu zitieren: „Drachen müssen sein… Wie soll man sonst wissen, daß es Fantasy ist?“ 😉 Sie kommen also auch ohne meinen Wunsch häufig vor.

Und so haben sich inzwischen klammheimlich zahlreiche Bücher über oder mit Drachen in meinem Regal eingefunden. Meist habe ich mich dafür eben nicht wegen der Drachen interessiert, sondern weil diese oft mit besonderen Ideen verbunden werden.* Und so langsam habe ich mit den Drachen dann auch meinen Frieden geschlossen und nun eine (nur für mich – das Buch gibt es seit 2007) neue Reihe entdeckt.

„Der englische Seekapitän Will Laurence glaubt seinen Augen nicht zu trauen: An Bord einer gerade gekaperten französischen Fregate befindet sich tatsächlich ein echtes Drachenei. Dabei ahnt Will da noch nicht einmal, wie sehr dieser unschätzbar kostbare Fund sein Leben für immer verändern wird. Denn als der kleine Drache Temeraire schlüpft, erwählt er ausgerechnet ihn zu seinem menschlichen Gefährten – als glorreichen Feuerreiter Seiner Majestät…“

Ich kann gar nicht sagen, wo ich vor kurzem darüber gestolpert bin, mein Interesse geweckt haben jedenfalls die Verbindung der Zeit der Napoleonischen Kriege mit Drachen als Lufteinheiten und vor allem die vielen verschiedenen Länder und Kontinente mit ihren offenbar detailliert ausgearbeiteten Gebräuchen und Geschichten, die im Verlauf der Reihe besucht werden – von China über Australien und Afrika bis Südamerika und Japan. Ich habe mich für die Ausgaben von blanvalet und damit gegen die Originale entschieden – trotz der leider üblichen einfallslosen Titel („Drachenbrut“ wird fortgesetzt von „Drachenprinz“, „Drachenzorn“, blabla… warum tut man so etwas?).

Ich habe inzwischen ungefähr die Hälfte des ersten Bandes gelesen und bin ganz angetan. Er liest sich angenehm weg und die Handlung schreitet flott voran; es ist damit aber kein Buch, das durch Sprache fasziniert. Trotzdem bin ich neugierig darauf, was ich im Verlauf der Reihe noch über die Welt erfahren werde und mag auch die Charaktere ganz gern (auch wenn sie eigentlich bisher nichts Besonderes sind). Kapitän Laurence ist insofern als Hauptfigur gut gewählt, als er seine Marineausbildung mitbringt und kein Junge ohne Erfahrung ist. Trotzdem lernt er die Welt des Fliegens zusammen mit dem Leser kennen, und gerade diese militärischen Aspekte finde ich zurzeit wirklich spannend. Temeraire ist natürlich ein besonders begabter Drache, trotzdem habe ich meine Schwierigkeiten mit der Vorstellung, daß die Drachen sofort nach dem Schlüpfen perfekt sprechen können.

Die alternative Geschichte beginnt 1805 bewegt sich in den ersten drei Büchern offenbar nahe an der Wirklichkeit (bis auf die Drachen eben), bevor sie etwas andere Wege geht. Ich mag es, wenn Romane mich zum Nachforschen anregen, und „Drachenbrut“ animiert mich gerade dazu, mein Wissen über die Zeit Napoleons etwas aufzufrischen, das eher begrenzt ist.

Als kleiner Bonus sind am Ende der Bände immer einige erklärende Seiten zum Hintergrund enthalten, hier „Ausgewählte Auszüge aus den Beobachtungen der Drachenrassen in Europa, mit Anmerkungen zu den orientalischen Rassen„. Ich lese so etwas immer sehr gerne 🙂

Für mich ist „Drachenbrut“ zurzeit das passende Buch und eine schöne Einführung in eine vielversprechende Reihe, auch wenn einige Szenen (etwa die Ausbildung Laurences und Temeraires) sicherlich etwas mehr Details vertragen hätten und insgesamt wohl etwas Tiefe fehlt – mal sehen, ob das in den Fortsetzungen erreicht wird. Offenbar sollen es insgesamt neun Teile werden, der achte ist gerade auf Deutsch erschienen.

„Kein Drill hätte das entsetzte Gemurmel verhindern können, das sich nun über das Deck ausbreitete. Das Drachenjunge schien es nicht zu bemerken, war jedoch einige Augenblicke lang von der Frage verwirrt, dann sagte es mit unzufriedener Miene: ‚Ich habe keinen Namen.‘ Laurence hatte genug darüber in Pollitts Büchern gelesen, um zu wissen, was er antworten mußte. So fragte er höflich: ‚Darf ich Ihnen einen geben?'“

* Bei „A Natural History of Dragons“ mag ich die viktorianische Atmosphäre und die ungewöhnliche Memoiren-Form, bei „Feuerkriege“ den 20er Jahre-Hintergrund, die Welt in „Dragon in Chains“ ist an das alte China angelehnt etc.

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9 Kommentare

  1. Kathrin said,

    Ich freu mich, dass dich das Buch bisher so begeistert! Mich konnte es damals leider gar nicht fesseln. Allerdings kann das auch am Medium gelegen haben: Ich hatte es als Hörbuch gehört und die vielen Namen und Orte habe ich irgendwann durcheinander geworfen und für eine Hörgeschichte waren manche Episoden zu ausschweifend. Ich kann mir aber vorstellen, dass das beim Selber-Lesen weniger problematisch ist.
    Ich wünsche dir noch eine spannende Lesezeit!

    • Kiya said,

      Das Hörbuch ist offenbar gekürzt, was ja meist ein schlechtes Zeichen ist. Vielleicht lag es auch daran? (Wenigstens die Verwirrung in bezug auf Namen und Orte – habe ich beim Lesen eigentlich nicht)

      Perfektion ist trotzdem anders, aber manchmal kommt ein Buch einfach im richtigen Moment, und zurzeit schätze ich Bücher, für die ich mich nicht zu sehr konzentrieren muß und die ich beim Stillen einfach ablegen kann, ohne den Buchrücken zu brechen 😉

  2. Winterkatze said,

    Ich freue mich, dass du mit der Reihe angefangen hast. Ich schleiche so lange schon darum herum und lasse mich immer wieder von den unterschiedlichen Meinungen abschrecken. Mal schauen, was du davon hältst, wenn du noch ein paar Bände mehr gelesen hast. 🙂

    • Kiya said,

      Wenn du anfängst, solltest du einfach nicht zu viel erwarten. Naomi Novik ist nich Robin Hobb 😉 Aber eigentlich habe ich wegen der Aussicht auf die späteren Bände angefangen, weil mich die Reisen so interessieren – also hoffe ich nicht, daß die Reihe dann schlechter wird!

      • Winterkatze said,

        Wobei ich mit Robin Hobb stellenweise meine Probleme habe. 😀

        Das Reisen finde ich auch interessant … Aber mich haben wirklich die verschiedenen Aussagen zu der Reihe verunsichert.

      • Birthe said,

        Tjaaa … also, ich bin ja ein großer Fan der Serie – allerdings nur der ersten Bände. Schon Band 4 fand ich nicht mehr ganz so großartig, Band 5 wieder besser, dafür war Band 6 ein so großer Reinfall, dass ich bisher noch am Zweifeln bin, ob ich mir die letzten Bände überhaupt noch kaufe oder lieber meinen guten Eindruck aus den ersten Bänden behalte. Wobei es natürlich auch sein kann, dass es wieder besser wird …
        Hm, ich denke, ich werde mir doch mal Band 7 besorgen, sonst werde ich das ja nie erfahren. Danke für die Erinnerung. 😉

  3. Kiya said,

    @ Winterkatze: Da hilft irgendwann wohl nur ausprobieren 🙂 Vielleicht kommst du mit Naomi Novik ja besser klar als mit Robin Hobb? Bei letzterer sollte ich auch endlich mal weiterlesen…

    @ Birthe: Der sechste Band scheint die schlechtesten Bewertungen zu haben – könnte also sein, daß es danach wirklich wieder besser wird. Na, ich bin gespannt. Selbst wenn es mir wie dir gehen sollte, habe ich ja offenbar noch einiges an Lesevergnügen vor mir!

  4. Neyasha said,

    Mir hat dieser Roman auch ganz gut gefallen, wobei ich aber leider nur ein stark gekürztes Hörbuch gehört habe (das gab es mal gratis bei Audible), dem man die Kürzungen doch angemerkt hat. In der vollständigen Fassung hätte mich das Buch vielleicht noch mehr begeistert, aber ich hatte bisher noch nicht so wirklich Lust, die Reihe weiterzulesen.

    • Kiya said,

      Geschenkter Gaul also… 😉 Gratis hätte ich die Kürzungen wohl auch in Kauf genommen, aber ich kann mir vorstellen, daß die Geschichte darunter gelitten hat. Ich habe schnell weitergelesen, weil mich ja die ganzen Schauplätze in den weiteren Bänden besonders interessieren. Gerade befinde ich mich im zweiten Band auf dem Weg nach China 🙂

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