Oliver Schlick: So kalt wie Eis, so klar wie Glas

Januar 17, 2016 at 12:13 (gelesen)

Ich glaube, hier habe ich bereits einen ersten Kandidaten für die Blogparaden-Frage 2016 zum Thema Bücher, die besser waren als erwartet 😉 „So kalt wie Eis, so klar wie Glas“ ist im Herbst erschienen und mir seitdem hin und wieder im Internet begegnet. Es hat mich auch interessiert, aber nicht so sehr, daß ich es unbedingt haben wollte. Inzwischen hat es die Bibliothek angeschafft – die Ausleihgelegenheit habe ich dann auch direkt genutzt, zumal das Buch gerade gut in meine Winterlesestimmung gepaßt hat (die jetzt ausgeprägter ist als im Dezember).

Lichtzeichen im Wald. Ein rätselhafter Fremder. Eine unzerbrechliche Schneekugel. Cora ist wild entschlossen, alldem auf den Grund zu gehen und das Geheimnis ihrer neuen Heimat zu lüften. Sie ahnt nicht, wie sehr sie schon in die Ereignisse verstrickt ist und in welcher Gefahr sie schwebt…

Ich könnte mir vorstellen, daß sich der Roman so – mit nicht allzu hohen Erwartungen – auch am besten liest, ich war nämlich wirklich positiv überrascht. Ich hatte viel Spaß beim Lesen, obwohl ich eigentlich eher eine ernste und geheimnisvolle Geschichte erwartet habe. Gereizt haben mich von Anfang an die Wilde Jagd, die immer noch in wenig Büchern vorkommt, und das ungewöhnliche Thema Schneekugeln. Inzwischen weiß ich, daß diese ein Hobby des Autors sind (es ist insgesamt recht erhellend, in die Biographie des Autors reinzuschauen, so habe ich über einige „pädagogisch-therapeutische“ Seitenhiebe sehr gelacht).

Für meinen Geschmack hätten ruhig noch mehr Informationen über Schneekugeln enthalten sein können, für mich ist das nämlich ein ganz unbekanntes Gebiet; Coras Ausbildung nimmt tatsächlich nur einen geringen Anteil ein – dafür gibt es immer wieder Beschreibungen von märchenhaften, wunderbaren und originellen Schneekugeln, die ich mir auch gerne einmal ansehen würde. Das Dorf Rockenfeld mit seinem Thomas Kinkade-Charme und seinen verschrobenen Bewohnern ist sehr stimmungsvoll beschrieben. Gerade mit den zahlreichen völlig überzeichneten Figuren, die alle ihre ganz speziellen Macken haben, habe ich im Vorfeld nicht gerechnet, und eben diese Mischung macht „So kalt wie Eis, so klar wie Glas“ interessanter als gedacht.

Die Einwohner gemeinsam mit Cora kennenzulernen – von dem russischen Schulhaustechniker und Metalfan Valentin Magomedov über Coras Freund Moritz („hochbegabtes Wunderkind, zukünftiger Enthüllungsjournalist und bekennender Anhänger der gleichgeschlechtlichen Liebe“) bis hin zu den gesammelten Kugelmachern der Gemeinde – und zu verfolgen, wie nach und nach die winterliche Bedrohung immer präsenter wird, bis Cora schleßlich niemandem mehr trauen kann, war spannend bis zum Schluß. Einige Entwicklungen waren zwar recht offensichtlich, aber die eine oder andere Überraschung gibt es doch und so habe ich mich insgesamt gut unterhalten gefühlt.

Eine Liebesgeschichte gibt es übrigens auch, aber sie steht nicht im Vordergrund und hat mich nicht gestört – abgesehen von dem Eindruck, daß sie irgendwie nur drin ist, weil das eben so zu sein hat, wenn die Protagonisten im passenden Alter sind. Über weite Strecken funktioniert der Plot auch ohne dieses Zugeständnis an die Konvention sehr gut.

Gewissermaßen reiht sich das Buch bei mir (ich wollte es nun doch noch einmal für’s eigene Regal haben) neben Thomas Finns „Weißer Schrecken“ ein. Letzteres ist zwar düsterer, aber beide Bücher sind von deutschen Autoren, haben eine schön frostige Atmosphäre und befassen sich mit Mythen rund um die Zeit der Rauhnächte (die Wilde Jagd auf der einen Seite, Krampus und Perchta auf der anderen).*

An den Wänden ringsum sind breite hölzerne Regalbretter angebracht, auf denen – dicht an dicht – die gesammelten Werke von Jacob Dorneyser untergebracht sind. Kugeln in allen möglichen Größen: manche groß wie Fußbälle, andere wie Orangen, einige sind kleiner als Murmeln. Ensame Winterlandschaften, eisbedeckte Flüsse, winzige Dörfer, verwitterte Burgruinen, schroffe Felsengebirge, Tannenwälder…

* Zum Weiterlesen fallen mir derzeit noch diese ziemlich unterschiedlichen Titel ein: Marcus Sedgwicks „Das Buch der toten Tage“ (für wenig Lesezeit), Susan Coopers „Wintersonnenwende“ (für Leser von Kinderbuchklassikern), Broms „Krampus“ (für mehr Splatter), vielleicht Beagles „Das Zauberhaus“ (für romantischere Seelen) und Linda Raedischs „Old Magic of Christmas“ (für Fakteninteressierte).

 

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