Chris D’Lacey: The Fire Within / Icefire

August 27, 2015 at 18:19 (gelesen)

„HOUSING AVAILABLE-$60 PER WEEK / Nice room in pleasant family house / Meals and laundry included / Suits clean, tidy, quiet student / P.S. Must like children and cats
And dragons…“

So fängt die Geschichte an – mit einer Wohnungsannonce, auf die David Rain, Geographiestudent und Protagonist der Reihe, sich meldet. Kurz darauf zieht er im Haushalt der Pennykettles ein. Im Laufe der Zeit entdeckt er außerdem sein Talent fürs Schreiben und verfaßt für Lucy die Geschichte „Snigger and the Nutbeast“.

„The Fire Within“ hat noch einen begrenzten Radius, auch wenn das Geheimnis der Tondrachen schon weiter vorausweist. Im ganzen Haus stehen diese von Vermieterin Liz handgefertigten Drachen. Ihre Namen beginnen stets mit G und sie scheinen seltsam lebendig zu sein. Am Ende dieses Bandes sind noch viele Fragen dazu offen. Überhaupt stehen die Drachen zunächst erstaunlich wenig im Zentrum der Handlung, auch wenn David schnell einen eigenen „special dragon“ namens Gadzook erhält. Stattdessen kümmern David, Liz und deren elfjährige, sehr lebhafte Tochter Lucy sich intensiv um die Rettung von Eichhörnchen, unterstützt durch Sophie, die Mitarbeiterin eines Tierheims. Das ist gut im Voraus zu wissen, um keine falschen Erwartungen mitzubringen, sollte jedoch nicht abschrecken.

Umwelt und Tiere werden aber wohl auch in Zukunft eine große Rolle spielen – der Autor ist studierter Biologie und hat sich dieser Themen in seinem Werk von Anfang an angenommen.* In der Fortsetzung „Icefire“ sind es statt Eichhörnchen Eisbären und ein Albino-Igel, die aber immer mit der sich entwickelnden und durchaus originellen Drachenmythologie verbunden werden. Und ja, in „Icefire“ nehmen die Drachen und ihre Geheimnisse wesentlich mehr Raum ein als noch in „The Fire Within“.

Diese beiden ersten Teile sind eher Kinderbücher als Fantasy, aber ich bin gespannt, wohin sich die Last Dragon Chronicles noch entwickeln. „Icefire“ etabliert die spannende Verbindung zwischen Drachen und Kälte. Wir erfahren, daß Drachen Schnee und Eis mögen („They like it,“ said Lucy. „Dragons like snow.“) und einen Bezug zur Arktis haben. Gleichzeitig arbeitet David für den undurchsichtigen Polarforscher Dr. Bergstrom an einem Essay, der ihm vielleicht eine Reise in die Arktis ermöglichen kann. In dem Essay geht es ausgerechnet um Existenz und Lebensraum von Drachen, an denen der Forscher besonders interessiert zu sein scheint.

Das Figurenkabinett wird in „Icefire“ ebenfalls aufgestockt. Sophie verschwindet – wie die Eichhörnchen – vorerst von der Bildfläche, dafür betreten Zanna, eine etwas exzentrische Kommilitonin von David, und Aunty Gwyneth, die unangemeldet in Wayward Crescent auftaucht und mindestens ebenso geheimnisvoll ist wie Dr. Bergstrom, die Bühne. Alle Charaktere sind recht gelungen und in ihren Eigenheiten nachvollziehbar.

Wishing dragon, potions dragon, listening dragon, … Bei den Tondrachen herrscht eine interessante Vielfalt und ich freue mich darauf, in den weiteren Teilen noch mehr solcher Details zu entdecken. Mir haben beide Bücher gut gefallen und ich habe sie für meine Verhältnisse sehr schnell gelesen, was für einen leichten und angenehmen Lesefluß spricht. Es sind phantasievolle Geschichten, die sich grundsätzlich an jüngere Leser richten; der Stil ist daher eher einfach und dialoglastig. „Icefire“ ist besser, umfangreicher und bereits komplexer – hoffentlich ein gutes Zeichen für die Fortsetzung „Fire Star“ 🙂

Hinweis zur Reihe: Die Last Dragon Chronicles sind in sieben Bänden (und einem Zusatzband) auf Englisch abgeschlossen und als Taschenbücher gut erhältlich. Nur die ersten drei Teile wurden auf Deutsch übersetzt und können gebraucht erworben werden. Wer Interesse an der ganzen Reihe hat, sollte also eventuell gleich auf Englisch beginnen. Sprachlich dürften die Hürden aufgrund der Zielgruppe nicht allzu groß sein.

„Wear gloves, David. It’s cold out there.“ „Where exactly are we going?“ Bergstrom leveled his blue-eyed glaze. „Onto the ice,“ he said.

* Nicht von ungefähr läßt er eine Figur sagen: „Creativity is the auma of the universe, David. A good story, written with heart and feeling, can touch many people and raise their awareness of global issues.“

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7 Kommentare

  1. Winterkatze said,

    Du machst mir gerade wirklich Lust darauf die Reihe endlich mal weiter zu lesen bzw. einfach noch mal von vorn auf Englisch anzufangen. 🙂

    • Kiya said,

      Das freut mich 🙂 Ich könnte mir auch gut vorstellen, daß die Bibliothek die ersten drei Bücher auf Deutsch da hat – falls du erstmal nur in den zweiten Band reinlesen willst.

      • Winterkatze said,

        Lustigerweise gibt es die ersten drei Bände wirklich in der Bibliothek. Mal schauen, ob ich darauf zurückgreife. Eben waren sie nicht vormerkbar, da verfügbar – so muss ich die im Hinterkopf behalten, bis ich das nächste Mal vor Ort bin. 😀

  2. Kiya said,

    Dann viel Glück beim nächsten Bibliotheksbesuch 😉 Ich muß zugeben, daß ich schon angesichts dieser hübschen Namen wie Pennykettle den Verdacht hatte, daß ich es auf Englisch lieber mögen würde. Aber eine kostenfreie Lesemöglichkeit kann das möglicherweise aufwiegen.

  3. Winterkatze said,

    Danke! 🙂 Ich kann mich gar nicht erinnern, ob die Namen übersetzt wurden … Und grundsätzlich habe ich ja lieber schöne Bücher, als dass ich sie ausleihe. Aber angesichts des gerade explodierenden Wunschzettels (Experimentierfreude ist dafür wirklich nicht gut. :D) sollte ich wohl eher ausleihen, um zu schauen, ob sich langfristig der Platz auf der Wunschliste lohnt. Bin ich froh, wenn ich mal wieder ein paar Reihen auf dem aktuellen Stand habe, damit diese Plätze auf dem Wunschzettel frei werden … 😉

    • Kiya said,

      Oh, in welche Richtung geht denn die Experimentierfreude? 🙂

      Die Namen dürften beibehalten worden sein, aber ich wollte den dazugehörigen Stil auf Englisch (wenn das Sinn ergibt).

      • Winterkatze said,

        Ich bin in den letzten Monaten über einige Rezensionen zu Titeln mit „ungewöhnlichen“ Hauptfiguren gestolpert, die mich neugierig gemacht haben. Wenn ich nach den Kritiken gehen kann, dann weisen die Geschichten – neben den außerhalb der „Norm“ stehenden Protagonisten – mehr Facetten auf, als Autoren normalerweise in ihren Geschichten beachten. Dummerweise sind darunter eine Menge Bücher, die bislang erst als HC erschienen sind oder die bei kleinen – und dementsprechend teuren – amerikanischen Verlagen veröffentlicht wurden. Außerdem mag ich gerade allgemein neue Autoren ausprobieren, während ich normalerweise vertraute und bewährte Schriftsteller bevorzuge, weil ich da schließlich weiß, wofür ich mein Geld ausgebe. 😉

        Ja, macht Sinn. 🙂

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