[Tag] The Classics Booktag

Juni 3, 2015 at 06:35 (Aktionen)

Ich kenne den Tag bereits von Booktube, auf Deutsch in Umlauf gebracht wurde er jetzt von Buchflimmern. Nachdem er mir in den letzten Tagen mehrfach über den Weg gelaufen ist, konnte ich nicht mehr widerstehen, zumal mein letzter Tag schon länger her ist. Über die Definition von Klassikern kann man spekulieren, wenn man mag – ich habe jetzt nach meinem Verständnis entschieden.

 

1. Ein überbewerteter Klassiker, der dir nicht gefallen hat

Zwei Bücher des 20. Jahrhunderts, die ich massiv überschätzt finde und beide überhaupt nicht mochte: J.D. Salingers „Der Fänger im Roggen“ und „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry (ch habe beide noch zu Schulzeiten – aber nicht als Schullektüre – und auf Deutsch gelesen). Das sind gleichzeitig Paradebeispiele für Genres, die ich immer noch meide: Selbstfindungs-Roadtrips und Erbauungskitsch.

2. Epoche, über die du am liebsten liest

Ich mag das lange 19. Jahrhundert in Europa und die Jahre kurz danach so bis zum 2. Weltkrieg – Bücher aus dieser Zeit und über diese Zeit 😉 Mir liegen die Themen- und Genrevielfalt, die vielen Aufbrüche, aber auch die Entdeckung der Psyche, der Aufschwung des Phantastischen und der Verbrechensgeschichte, die Form des Romans; auch historisch finde ich diese Epoche am spannendsten, was sich ganz gut ergänzt.

3. Lieblingsmärchen

Als ich klein war, war mein Lieblingskinderbuch „Bulgarische Märchen“ aus den 80er Jahren, und darin „Die Braut des Vampirs“. Ich mochte Gruselmärchen schon früh 😉 Die Illustrationen dürften mit dazu beigetragen haben…

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Mittlerweile mag ich es, die Märchen verschiedener Länder zu entdecken. Die Märchen von Hans Christian Andersen sind mir heute wohl die liebsten von einem bestimmten Erzähler. Ich habe eine dreibändige Ausgabe im Schuber.

4. Welchen Klassiker schämst du dich am meisten, bisher nicht gelesen zu haben

Schämen ist natürlich das falsche Wort. Was mir dazu trotzdem einfällt, sind zum einen Thomas Manns „Der Zauberberg“ und Goethes „Faust II“, weil ich sie schon unfaßbar lange halbgelesen im Regal habe und endlich mal beenden sollte, und zum anderen – wie sollte es auch anders sein – „Ulysses“, weil ich es – wie jeder – bisher nicht zu Ende gelesen habe. Ärgert mich bei allen drei Büchern, weil ich sie, soweit ich eben gekommen bin, wirklich mochte.

5. Top 5 Klassiker, die du (bald) lesen willst

Nachholbedarf habe ich vor allem bei englischen Klassikern. Die kleine Auswahl vom SuB: Mary Shelleys „Frankenstein“ (ich habe zurzeit etwa die Hälfte geschafft, hatte aber nach einem guten Start mit Motivationsproblemen zu kämpfen, weil es einige doch sehr sentimentale Kapitel gab), Shakespeares „The Tempest“ (ich habe den 1. Akt beendet). „Little Women“ als Kinderbuch-Klassiker. Dickens‘ „Bleak House“. Chestertons Father Brown-Geschichten.

6. Liebstes Buch, das auf einem Klassiker basiert

Mir fällt kein bestimmtes ein, aber ich mag Märchen-Adaptionen oft recht gerne. Und eine Reihe, die gleich auf ziemlich vielen Klassikern basiert, ist die wunderbar einfallsreiche Thursday Next-Reihe von Jasper Fforde. Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich wirklich darauf einlassen zu können, finde sie inzwischen aber sehr gelungen. Und: „Der Fall Jane Eyre“ hat mich tatsächlich dazu motiviert, „Jane Eyre“ zu lesen!

7. Liebste Film-/TV-Adaption eines Klassikers

Ich kenne nicht besonders viele Klassikerverfilmungen, würde meine Hoffnungen bei traditionelleren Verfilmungen aber immer wieder in die BBC setzen. Spontan fällt mir hier aber gerade die Serie „Sherlock“ ein, weil sie so unerwartet gut ist: ich liebe ja die Holmes-Bücher seit meiner Kindheit und bin eigentlich nicht für das Verlegen in ein modernes Setting zu haben; umso mehr hat mich überrascht, daß der Versuch in „Sherlock“ so überzeugend geglückt ist. Eine der größten Stärken ist dabei der Umgang mit der Figur Watson.

8. Schlechteste Adaption

Ich erinnere mich, daß ich „Stolz und Vorurteil“ mit Keira Knightley sehr albern fand, aber ich gehöre auch nicht zu den Bewunderern des Buch. In der schriftlichen Form kann man den Dialogen, die der beste Aspekt sind, aber immer noch mehr abgewinnen.

9. Lieblingsausgaben, die du sammeln willst

Auf Englisch gibt es unzählige schöne Ausgaben, auf Deutsch mag ich vor allem die Fischer Klassik Ausgaben. Um einen Eindruck zu geben hier die neuesten drei in meinem Regal:

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10. Ein zu wenig bekannter Klassiker, den du allen empfiehlst

Grundsätzlich sollte viel mehr Jorge Luis Borges gelesen werden! Welcher Text, ist eigentlich völlig egal – Borges ist ein ungemein kluger Autor und lohnt sich immer. Ein gängiger Startpunkt wären die Sammlungen „Das Aleph“ und „Fiktionen“, die auch hier, in einem kleinen Vorstellungsvideo der br-Reihe „Klassiker der Weltliteratur“, benannt werden.

Ich besitze ungefähr die Hälfte der im Fischer-Verlag erschienenen „Werke in 20 Bänden“ (mir fehlen insbesondere mehrere Gedichtbände, die mir nicht so wichtig waren*):

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* Es hat übrigens keine besondere Bedeutung, daß Borges zwischen Oz und Teresa Edgerton steht. Meine Regale sind einfach zu voll, um auf liebevoll erdachte Sortiervarianten noch irgendeine Rücksicht nehmen zu können. Aber Baums Oz-Bücher sind immerhin auch Klassiker, die zu wenig bekannt sind.

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11 Kommentare

  1. Neyasha said,

    Mit „Der kleine Prinz“ konnte ich auch nicht viel anfangen (und hier sieht man auch wieder, wie schwamming der Begriff Klassiker ist, denn den hätte ich persönlich nicht als solchen betrachtet). Dabei habe ich den zu einer Zeit gelesen, als ich mit Erbauungskitsch noch mehr anfangen konnte – so hat mir damals etwa „Der Alchimist“ von Coelho gut gefallen. Inzwischen mache ich um solche Bücher eher einen großen Bogen.

    Beim „Zauberberg“ hat mir im Grunde die erste Hälfte am besten gefallen, danach fand ich den Roman recht zäh. Insofern kann ich es verstehen, dass du abgebrochen hast.

    Schön, dass du Borges erwähnst! Das ist wirklich ein Autor, der mehr Beachtung finden sollte. Ich habe bisher nur die Sammlung „Im Labyrinth“ gelesen, wollte aber auch auf alle Fälle noch mehr von ihm lesen.

    • Kiya said,

      Ich habe darüber nachgedacht, aber „Der kleine Prinz“ scheint jedenfalls oft als (wenigstens Kinderbuch-)Klassiker aufgefaßt zu werden.
      Tatsächlich habe ich „Der Alchimist“ als Teenager auch mal besessen – meine Mutter hat sich im Buchladen für „etwas Anspruchsvolles“ beraten lassen; war ein völliger Fehlkauf, der insbesondere zu einer Zeit kam, in der ich wesentlich lieber Nietzsche gelesen habe 😉

      Ich gebe allerdings zu, so mit 15 eine Hesse-Phase gehabt zu haben. In gewissem Sinne aber ein Glück, weil ich vermute, daß man wesentlich später mit dem Autor nicht mehr so viel anfangen kann.

      Na, du machst mir ja Mut für den Rest vom „Zauberberg“… Abgebrochen ist es nicht – iiirgendwann werde ich weiterlesen, jawohl. Vielleicht brauche ich eine passende Challenge als Anstubser.

      „Im Labyrinth“ kannte ich nicht, sieht aber gut aus (und erinnert mich nostalgisch an den Wühltisch-Büchermarkt vor der Mensa meiner Uni). Freu mich, wenn ich dir Borges wieder in Erinnerung rufen konnte 🙂

  2. Kathrin said,

    Ein schöner Tag, den ich mit sicherheit aufgreifen werde – da ich mich in diesem Jahr stärker auf Klassiker konzentriere(n will), passt der Tag gerade super.

    Die Fischer Klassiker-Ausgaben mag ich auch sehr. Ansonsten muss ich aber gestehen, vermisse ich hier in Deutschland noch so richtig gut gemachte Sammlerausgaben. Da sind die US- und UK-Verlage deutlich besser aufgestellt (sowohl die Großen wie Penguin als auch kleinere Verlage) – dort kann ich mich einfach für keine Ausgabe entscheiden (auch weil jede Reihe einen meiner Lieblingstitel hat, der in anderen Kollektionen fehlt).

    • Kiya said,

      Ich bin gespannt auf deine Antworten 🙂 Ich versuche immer mal einen Klassiker zwischenzuschieben, aber in der Mittagspause, in der Badewanne oder vor dem Einschlafen greift man dann doch zu etwas anderem *g*
      Nach dem Studium hatte ich auch ein paar Jahre lang keine große Lust mehr auf Klassiker – bis mein Interesse an den englischen und amerikanischen Klassikern aufkam. Im Studium habe ich eben viele der deutschen Klassiker gelesen.

      Ich habe schon einige englische Klassikerausgaben vorgestellt, die ich mag, und plane für weitere einen eigenen Beitrag, deshalb habe ich sie hier rausgelassen 😉 Und im deutschsprachigen Bereich fällt die Auswahl dann erstaunlich leicht.
      Aufpassen bei den englischen muß man nur leider mit dem Roughcut, den ich überhaupt nicht mag (ich könnte weinen, wenn ich die Puffin Chalks oder die Penguin Classics Deluxe sehe, die ich bis auf dieses ärgerliche Deteil wunderschön finde)

  3. Winterkatze said,

    Ich bin gespannt, wie dir Father Brown gefällt, wenn du denn dazu kommst. 🙂

    • Kiya said,

      Ich habe es in den letzten Tagen immerhin schon zu einer Kurzgeschichte namens „Das blaue Kreuz“ in der Anthologie „London Killing“ gebracht 😉 Die war wirklich sehr nett, muß ich sagen.

      • Winterkatze said,

        Die mag ich auch sehr und sie gibt dir einen guten Eindruck von der Erzählweise und dem Charakter des Paters. 🙂

  4. Hermia said,

    Das schlimme an den kleinen Prinzen, ist nicht mal das Buch selber, sondern dieses extreme Merchendasing drumherum und irgendwie finden diese Sprüche-Karten mit den außerordentlichen tiefsinnigen Lebensweisheiten einen reißenden Absatz.

    Ich habe einen Monstersatz geschaffen! *stolz bin* ^^

    • Kiya said,

      Guter Punkt – daß diese Sentenzen in der angesprochenen Form so gut ankommen trägt auf jeden Fall dazu bei, daß ich das Ganze ziemlich suspekt finde 😉
      Das Buch ist aber auch ganz für sich allein überhaupt nicht mein Geschmack.

      • Hermia said,

        Ich glaube, mit 16 fand ich es auch schon noch wunderschön. Aber da habe ich auch noch dieses Zeug gelesen. 😉

  5. Kiya said,

    Mit 16 war ich unter anderem schwer begeistert von „Die Gesänge des Maldoror“ – etwas anders gelagert also, wie du siehst 😉

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