Frank Herbert: Der Wüstenplanet

Juni 29, 2014 at 10:21 (gelesen)

„Der Wüstenplanet“ ist Nummer 3 auf meinem SuB gewesen. Die Alt-SuB-Titel sind zwar nicht weiter geordnet, trotzdem gehört der SF-Klassiker zu den Büchern, für die ich sehr lange gebraucht habe. Meine Ausgabe ist jedenfalls von 2007…

„Herzog Leto, Oberhaupt des Hauses Atreides, erhält Arrakis zum Lehen, den Wüstenplaneten, eine lebensfeindliche und doch begehrte Welt, denn unter dem Sand liegt das Gewürz. Diese Droge, die man auf Arrakis im großen Stil abbaut, verleiht Menschen die Gabe, in die Zukunft zu sehen, und bildet damit die Grundlage der interstellaren Raumfahrt. Als Letos Armee in einen tödlichen Hinterhalt gerät und der Herzog fällt, flieht sein Sohn Paul in die Wüste und taucht bei Arrakis‘ Ureinwohnern, den Fremen, unter. Diese erkennen in ihm den lange vorhergesagten Messias, und Paul rüstet sich zu einem gnadenlosen Rachefeldzug…“

Ich meine mich zu erinnern, die ersten Seiten des Buches schnell gelesen zu haben. Zwischendurch habe ich aber sehr lange Pause gemacht und nun die zweite Hälfte im Lauf der letzten Wochen gelesen (man sieht also wieder einmal, daß Challenges tatsächlich motivieren können 😉 ).

„Der Wüstenplanet“ ist verdient ein Genre-Klassiker, weil er verschiedene Anschluß- und Interpretationsmöglichkeiten bietet und eine detailliert entworfene Welt mit monumentaler Handlung verbindet. Das Werk hat genug Facetten, um es aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten: Heldengeschichte, Familiensaga, Erzählung um Macht und Politik. Auch der ökologische Blick auf die Welt, in der das Gewürz (oder Spice, wie es im Original heißt) ein bestimmender Wirtschaftsfaktor ist, ist lohnenswert.

6 Bücher des Zyklus hat Frank Herbert verfasst, bevor Brian Herbert und Kevin J. Anderson weiterschrieben. „Der Wüstenplanet“, „Der Herr des Wüstenplaneten“ und „Die Kinder des Wüstenplaneten“ sind dabei als Trilogie geplant gewesen und ich könnte mir vorstellen, diese Bände auch noch zu lesen, auch wenn ich mit dem ersten Teil ab und zu meine Schwierigkeiten hatte.

Paul ist eine seltsame, aber nicht uninteressante Hauptfigur. Er entwickelt sich vom behüteten Herzogssohn zum Herrscher Muad’dib. Durch die großen Sprünge in der Handlung konnte ich ihm auf diesem Weg aber nur teilweise folgen. Mit der Zeit entsteht eher große Distanz zum Protagonisten, der mir letztlich zu übermächtig wurde.

Eigentümlich ist außerdem die Verbindung einer eigentlich in vielen Teilen an klassische Fantasy erinnernden Welt (Prophezeiungen, mittelalterlich-feudale Struktur, wenig Technik, dafür psychische Bene-Gesserit-Kräfte, einige sehr pathetische Dialoge) mit einem mystisch-religiösen Unterton. Der erzählerische Fokus liegt deutlich stärker auf Dialogen und Gedanken als auf der Erläuterung von Technik.Soweit ich weiß, haben spätere Bände letzteren noch betont. Ich hatte vor der Lektüre gehört, daß „Der Wüstenplanet“ voller philosophischer Gespräche ist – für mich stand der Mystizismus aber im Vordergrund.

Arrakis wird nicht zuletzt durch die Fremen, die so stark in ihren Bräuchen und Traditionen verhaftet sind, sehr lebendig. Die unwirtliche Welt, in der sich riesige Sandwürmer bewegen (die von den Fremen als Reittiere genutzt werden), ist jedenfalls ein faszinierender Schauplatz.

Meine Ausgabe beinhaltet einen umfangreichen Anhang, der sich unter anderem Ökologie und Religion des Wüstenplaneten widmet.  Auch ein Lexikon, eine Übersicht über wichtige Personen und ein Nachwort sind enthalten. Insgesamt ist es ein komplexes und anregendes Buch, das nach dem Lesen noch ein Weilchen nachwirkt, auch wenn ich beim Lesen nicht immer ganz überzeugt war.

Hier noch kurz die Verfilmungen (verlinkt die DVDs, die ich besitze):

– Erstverfilmung von David Lynch *amazon*

– Mini-Serie von John Harrison *amazon*

Concept-Art von H.R. Giger für Jodorowskys „Dune“

„Der Planet war von Menschen bewohnt, die an den Rändern von Wüsten lebten, ohne daß sie von Caids oder Bashards herumkommandiert wurden: das Sandvolk der Fremen, das sich bisher jeder Volkszählung durch das Imperium entzogen hatte. Arrakis. Der Wüstenplanet.“

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8 Kommentare

  1. natira said,

    Ich kenne nur die David-Lynch-Verfilmung u.a. mit Sting und Patrick Stewart. Obwohl ich diverse SciFi Serien durchaus mag, hat das Lesen von SciFi bei mir einen geringen Stellenwert. 😉 Daher werde ich wohl auch zu dem Roman nicht greifen, obwohl Deine Besprechung ganz interessant klingt. 🙂

    • Kiya said,

      Momentan kenne ich auch nur diese Verfilmung. Die Serie ist gerade wieder neu auf DVD erschienen, deshalb habe ich die Gelegenheit genutzt, sie mir zuzulegen. Muß aber noch angeschaut werden.

      Ich mag ab und zu mal Science Fiction, bevorzuge aber eigentlich die etwas philosophischere Variante, wie sie z.B. Philip K. Dick oder Lem bieten.
      Andererseits gefallen mir aber manchmal auch lustige SF (Douglas Adams etwa – wohl dosiert) oder thematisch Sachen in Richtung Cyberpunk, Genetik, KI oder Computerspiele (z.B. Otherland). Dann gibt es da noch die Klassiker von Verne oder Wells bzw. Bradbury, Huxley und Owell, interessante Gesellschaftsszenarien von Neal Stephenson oder Miévile und und und…

      Das Genre ist also eigentlich recht vielfältig (wobei mir die aktuellen Jugend-„Dystopien“ wenig sagen – obwohl der Hype wohl mittlerweile durch New Adult ersetzt wurde…). Durch Doctor Who habe ich jedenfalls gerade wieder Lust darauf bekommen.

      Welche SF-Serien magst du denn? 🙂

      • natira said,

        Ich habe in Deiner Seitenleiste Doctor Who gesehen.Hier erwarte ich neugierig den August, wenn die neue Staffel mit Peter Capaldi los geht. Ich habe inzwischen einige der Classic Staffeln und die neuen mit Ausnahme der letzten im Hause. 😉 Dann mag ich Star Trek, wobei mein Favorit DS9 ist. Babylon5 finde ich auch immer wieder zum Schauen gut. Stargate mag ich,weil sich -jedenfalls die Org.Serie u. Atlantis – die Serie nicht so ernst nimmt. Dann wäre noch Farscape zu nennen, wobei ichndort aber noch nicht alle Staffeln geschaut habe, einfach war der Ansatz so abgedreht war.

        Kein klassisches SciFi, aber hast Du mal bei Orphan Black hineingeschaut? Und kennst Du Dollhouse?

        Ein paar Kurzgeschichten von Lem habe ich früher auch gelesen u. momentan, hm, pausiert das Buch „Nach der Bombe“ bei mir, weil ich leserechnisch. noch immer im Christie-Poirot-Fieber bin. Da habe ich mir übrigens die David-Suchet-Boxen geholt und schaue jetzt regelmäßig nach einem gelesenen Roman die TV Produktion. 🙂

  2. Winterkatze said,

    Wieder eines dieser Bücher, bei denen ich – gerade wenn ich solche Rezensionen lese – das Gefühl habe, ich müsste dringend mal meine Erinnerungen auffrischen. Aber trotzdem landen immer andere Titel in der Bibliotheksausleihe … Aber schön, dass dir der Roman – trotz des einen oder anderen Kritikpunktes – gefallen hat.

  3. Kiya said,

    @ natira: Ich kann mir einen etwas älteren Doctor gut vorstellen – momentan bin ich beim 10. und der ist schon arg gefühlsgebeutelt 😉 An die Classics wage ich mich aber auch schon heran – immer wenn ich von einer interessanten Folge höre oder z.B. herausfinden will, wo die Ursprünge von irgendeinem Monster liegen… (bisher habe ich einige Folgen vom 1. und einige vom 7. Doctor – noch ungesehen).

    Babylon5 kenne ich vom Hören (hat mein Freund sehr gerne geschaut). Und witzig, daß du Orphan Black erwähnst – vor ein paar Tagen bin ich über den Trailer gestolpert. Lohnt sich die Serie?

    Lem hat einige großartige Texte geschrieben, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. Nicht so warm werde ich mit Pilot Pirx, aber das ist wohl Geschmackssache…

    Alle Poirot-Boxen? Sind das nicht 10 Stück oder so? Viel Spaß beim Gucken! 🙂

    @ Winterkatze: Hast du nach diesem ersten Teil irgendwann weitergelesen? Ich habe ein paar unterschiedliche Meinungen zu den Folgebänden gehört, bin aber durchaus neugierig.
    Beim Lesen dachte ich die ganze Zeit, das Buch würde in der Besprechung schlechter abschneiden, aber es ist so ein Buch, das hängenbleibt, was sich positiv auswirkt.

  4. Winterkatze said,

    Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, ob ich die anderen Teile auch gelesen habe. Wenn es die damals in der Bibliothek gab, dann habe ich sie bestimmt gelesen. Aber ich habe nur noch bruchstückhafte Erinnerungen und kann nicht sagen, ob die nur auf Band 1 beruhen oder auch aus den anderen Teilen kommen. Ich sollte wirklich mal meine Erinnerungen auffrischen!

  5. nebelmade said,

    Schöne Rezension, insbesondere deine Einschätzung der im Buch gelungenen Verbindung von „einer detailliert entworfene Welt mit monumentaler Handlung“. Ich werde mir wohl die mir noch fehlenden Bände 2 u. 3 ins Regal holen, um gerüstet zu sein, wenn sich mal wieder Wüstenplanet-Gelüste einstellen. (Hab übrigens grad Steven Eriksons „Spiel der Götter“ angefangen und finde es – nach ca. 10 gelesenen Seiten – sehr fein und angenehm. (Sind schließlich genug Anspielungen auf das Alte Rom drin, so mit Imperium und einer Mandata, die aber eigentlich Legata heißen müßte… 😉 ))

  6. Kiya said,

    @ Winterkatze: Es gibt einfach zu viele Bücher, die man (wieder) lesen möchte… Wäre interessant, ob die Reihe heute anders auf sich wirkt als beim Erstlesen?

    @ nebelmade: Danke schön 🙂 Band 2 steht bei mir auch auf der Liste, Band 3 kann noch etwas warten. „Spiel der Götter“ wird ja von allen Seiten gelobt, vielleicht schau ich bei dir mal rein… Ein paar Rom-Momente hat übrigens auch die „Codex Alera“-Reihe.

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