[gelesen] Vintage Fashion / Louise Brooks / Albert Einstein

Mai 18, 2014 at 21:52 (gelesen)

In den letzten Tagen bin ich lesetechnisch in vergangenen Dekaden versunken und habe mich unter anderem durch die Jahre 1907, 1922 und 1932 geschmökert. Mit den ersten beiden Büchern konnte ich außerdem ein Stück New Yorker Geschichte verfolgen. Weil die drei Bücher insofern ein wenig zusammenpassen, hier gesammelt einige Kurzeindrücke:

Stephanie Lehmann: Vintage Love

„New York, am Astor Place: In einen Muff eingenäht findet Amanda, Besitzerin eines Vintage- Ladens, ein Tagebuch, das dort offensichtlich jemand sicher verwahren wollte. Amanda erzählt niemandem von ihrem Fund und macht sich daran, das Tagebuch zu lesen. Sie wird tief in das Jahr 1907 und die Lebensgeschichte der 20-jährigen Olive Westcott hineingezogen. Immer mehr Parallelen entdeckt sie zwischen sich und der jungen Frau, und viele Fragen kommen auf, deren Antworten Amanda in dem geheimen Tagebuch vermutet…“

* es gibt zwei Handlungsstränge – 2007, Amandas Strang, und 1907, Olives Strang, die sich abwechseln * ich habe beide gerne gelesen, Olives Erlebnisse bleiben aber stärker im Gedächtnis * es wird zunehmend deutlicher, wie die Lebenswelten der beiden Frauen miteinander verflochten sind * interessante Einblicke in das New York zu Beginn des 20. Jahrhunderts, besonders in die Lage arbeitender Frauen * kleine Einblicke in Vintage-Mode * insgesamt weniger seicht, als es auf den ersten Blick aussieht *

Laura Moriarty: Das Schmetterlingsmädchen

„New York in den Goldenen Zwanzigern: Eine turbulente Metropole voller Leben, Musik, Abenteuer – ein aufregendes Versprechen. Als die fünfzehnjährige Louise aus dem verschlafenen Kansas dorthin reist, um Tänzerin zu werden, geht für sie ein Traum in Erfüllung. Hals über Kopf stürzt sich das neugierige, unkonventionelle Mädchen in diese berauschende Welt – sehr zum Missfallen ihrer Anstandsdame Cora, einer Frau mit traditionellen Wertvorstellungen. Doch hinter Coras korrekter Fassade verbirgt sich ein trauriges Schicksal, von dem niemand ahnt. Die Reise nach New York ist für sie eine Reise in die Vergangenheit…“

* der englische Titel „The Chaperone“ ist passender; es geht mehr um Cora als um Louise Brooks * recht ruhige Stimmung, im Mittelteil ein bißchen behäbig * besonders gut ist der Generationenkonflikt durch sich verändernde Wertvorstellungen und Moden in den 20er Jahren nachgezeichnet * der Sommer in New York nimmt den größten Raum ein, die Jahre danach bis in die 1970er werden schlaglichtartig beleuchtet * nach New York ist Wichita der Hauptschauplatz * weitere Aspekte wie die Situation von Homosexuellen oder Waien spielen eine Rolle * Bibliographie im Anhang *

Philip Sington: Das Einstein-Mädchen

„Berlin 1932. Eine junge Frau wird im Wald bei Caputh bewusstlos aufgefunden und in die Charité eingeliefert. Als sie aus dem Koma erwacht, kann sie sich an nichts erinnern, nicht einmal an ihren Namen. Bei ihr findet man nur einen Programmzettel von einem Vortrag Albert Einsteins. Martin Kirsch, der zuständige Psychiater, ist fasziniert von diesem ungewöhnlichen Fall – und von seiner Patientin. Wer ist diese Frau? Gibt es eine Verbindung zu Einstein? Seine Nachforschungen führen ihn nach Zürich und bis nach Serbien. Währenddessen ergreifen in Deutschland die Nazis die Macht…“

* greift vielfältige Themen auf, u.a. die zeitgenössische Politik, (Quanten-)Physik, Psychologie und Euthanasie; es gibt auch einige philosophische Anregungen * erfreulicherweise weniger auf Frauen fokussiert als die beiden anderen Bücher * Hintergründe zu Einsteins Familie wurden einbezogen, Mix aus Dichtung und Wahrheit * stilistische Abwechslung durch Briefe und Perspektivwechsel insbesondere zum Ende hin * sorgfältig ausgearbeitete Charaktere, die nicht zu eindimensional sind *

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2 Kommentare

  1. Winterkatze said,

    Diese Aussage „insgesamt weniger seicht, als es auf den ersten Blick aussieht“ hat mir bei allen bisher gelesenen Rezensionen gefehlt – vielleicht ist das Buch doch interessanter als ich bislang dachte. 😉

    Auf „Das Einsteinmädchen“ wäre ich von mir aus nie gekommen, deine Kurzmeinung hingegen macht schon wieder neugierig …

  2. Kiya said,

    „Vintage Love“ bleibt aber trotzdem ein ziemliches Mädchenbuch *warn* In der Hinsicht war „Das Einsteinmädchen“ besser. Trotzdem hatten alle drei Bücher etwas, das mir gefiel, aber ich habe sie auch in der passenden Stimmung gelesen 🙂

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