[Reihe] Tove Jansson: Die Mumins

Februar 24, 2014 at 10:58 (gelesen, vorgestellt)

In den letzten Tagen habe ich alle Challenges und Bücherlisten selbiges sein lassen und bin in einer für mich ganz neuen Welt versunken: dem Mumintal 🙂 Ich gehöre nicht zu denen, die die Serie als Kind gemocht haben (und bin jetzt auch nach einigen Youtube-Impressionen nicht ganz vom Konzept überzeugt). Zwar hatte ich eine Vorstellung, wie Mumins aussehen (es sind Trolle, die früher hinter Kachelöfen wohnten; mich erinnern sie immer an eine Art Gespenstertiere), aber nähere Bekanntschaft habe ich erst jetzt mit ihnen geschlossen.

Auf die Bücher bin ich in letzter Zeit immer mal wieder gestoßen, und als ich neugierig genug geworden bin, habe ich mir das erste Buch bestellt. Dem folgten dann rasch die weiteren acht, die momentan nun einmal alle für 4,99 € zu haben sind, was die Sache begünstigt hat.

Die finnisch-schwedische Autorin Tove Jansson lebte von 1914 bis 2001 – ich habe also sozusagen unabsichtlich zum Jubiläum gelesen. Neben Comics, die in 6 Bänden auch auf Deutsch erschienen sind, gibt es im Taschenbuch 9 Bücher von überwiegend 150-200 Seiten rund um die Mumins (Jahr der Erstausgabe in Klammern), die von der Autorin umfangreich illustriert sind. Diese Bilder machen einen Teil des Charmes aus; Jansson hat übrigens auch den Hobbit und Alice im Wunderland illustriert.

  • Mumins lange Reise (1945)
  • Komet im Mumintal (1946)
  • Eine drollige Gesellschaft (1948)
  • Muminvaters wildbewegte Jugend (1950)
  • Sturm im Mumintal (1954)
  • Winter im Mumintal (1957)
  • Geschichten aus dem Mumintal (1963)
  • Mumins wundersame Inselabenteuer (1965)
  • Herbst im Mumintal (1970)

Daneben gibt es noch ein Märchen („Wer tröstet Toffel?“) und Bilderbücher (etwa: „Mumin, wie wird’s weitergehen?“), soweit ich gesehen habe – besitze ich aber nicht. Schöne englische Ausgaben gibt es übrigens auch, aber da die Originalsprache nicht Englisch ist, sah ich für mich keinen Gewinn darin, diese zu lesen.

Ich habe mich im Prinzip kreuz und quer durch die Bände gelesen, aber mit den beiden frühesten begonnen, um einen sinnvollen Einstieg zu haben. Jedes Buch entfaltet eine etwas andere Stimmung, und wo gerade „Mumins lange Reise“ noch recht kurz und episodenhaft ist, entwickeln die späteren Erzählungen eine gewisse Tiefe, sodaß die Mumins auch für Erwachsene lesenswert sein können. Mein Favorit ist „Winter im Mumintal“.

Die Familie um Muminvater, Muminmutter und Mumin bleibt Kern der Handlung, selbst wenn sie nicht einmal auftauchen, wie im letzten Buch, das einen Abschied darstellt. Im Mumintal leben aber auch viele andere liebenswerte, skurrile Wesen: neben dem musikalischen Wanderer Schnupferich, der frechen kleinen Mü, dem Snork und dem eitlen Snorkfräulein sowie Schnüferl, dem kleinen Tier, ist das Tal bevölkert mit zwanghaft sammelnden Hemulen, geheimnisvollen Hatifnatten (… klingen für mich wie Nattifftoffen), die sich bei Gewittern elektrisch aufladen, und vielen mehr.

Spannend ist die Morra, ein unheimliches Wesen, das Frost hinterläßt, wo es gesessen hat. Jede Figur hat einen besonderen Charaktere und keine ist ganz fehlerlos. Vermutlich hat jeder Leser eine andere Lieblingspersönlichkeit. Ein Highlight in meinen Augen ist der Bisam, ein Philosoph, der bevorzugt „Über das Unnütze“ liest und wunderbare Dinge sagt wie: „Zwar ist es einem Philosophen ja einerlei, ob er sich wohl fühlt oder nicht, aber es war jedenfalls ein gutes Loch.“

Der Wechsel der Jahreszeiten und Naturereignisse spielen eine zentrale Rolle in den Geschichten. Ein Komet und eine Überschwemmung sind einschneidende Erlebnisse. Auch Wasser – Fluß und Brücke durch das Tal, Ausflüge zum und Reisen über das Meer etc. – ist sehr wichtig im Mumintal. Die Wesen des Mumintals schätzen ihre Freiheit und erleben gerne Abenteuer (so benennen sie auch ihr Boot), kämpfen aber auch mit Einsamkeit, Alter und Veränderung.

Sehr schöne, phantasievolle, auch ziemlich unterschiedliche und sehr zufriedenstellende Geschichten, die für einige Tage eine große Sogwirkung auf mich entfaltet haben. Auch wenn ich nicht in der chronologischen Reihenfolge gelesen habe, ist es interessant, die Entwicklung der Figuren, der Erzählweise, aber auch des Zeichenstils zu verfolgen. Viele der späteren Bücher haben melancholische oder etwas unheimliche Anklänge, aber positive Gefühle wie Hoffnung und Toleranz überwiegen doch fast immer. Hat mich gefreut, diese Kinderbücher zu entdecken 🙂

„Seltsam ist das mit den Straßen und Flüssen, überlegte das Schnüferl. Man sieht sie vorbeiziehen und kriegt plötzlich unheimlich Lust, irgendwo anders zu sein. Man möchte sie begleiten, um zu sehen, wo sie enden…“

Advertisements

6 Kommentare

  1. Ariana said,

    Oh, jetzt hast du mir richtig Lust gemacht, die Bücher mal zu lesen. Ich hatte als Kind zwei Mumins-Hörspiele auf Schallplatte/Kassette, die hab ich rauf und runter gehört. Die Serie habe ich allerdings nie gesehen, auch die Bücher nie gelesen. Vielleicht sollte ich der Buchvorlage mal eine Chance geben. 🙂

  2. Winterkatze said,

    Ach, die Mumins! 🙂 Die habe ich als Kind geliebt – die Bücher, alles andere ist an mir vorbei gegangen. Zum Glück hatte die Bibliothek damals einige Titel aus dem Tal.

    Schön, dass du deine Zeit mit den Mumins so genossen hast – vielleicht sollte ich dann doch nach all den Jahren einen neuen Versuch mit ihnen wagen …

  3. Kiya said,

    Ja, versucht es ruhig mal mit den Büchern 🙂 Wäre doch interessant festzustellen, ob euch die Mumins noch so zusagen wie als Kind, oder?

    Dieses Jahr ist jedenfalls eine gute Zeit, um sie (neu) zu entdecken, weil die Bücher so gut erhältlich sind – diese Ausgaben gibt es erst seit 2012, vor ein paar Jahren war die Situation also noch anders und es herrschte offenbar ein ziemlich großes Ausgaben-Durcheinander.

    Die Figuren in der Serie sehen den Zeichnungen zwar sehr ähnlich, aber die Untertöne, die die Bücher interessant machen, scheinen mir darin zu fehlen. Habe aber nur einige Auszüge angesehen.

  4. Bücherphilosophin said,

    Diese Reihe habe ich als Kind geliebt 🙂 Alle möglichen skandinavischen Kinderbücher, aber besonders diese hier, wegen der süßen Geschichten und der Illustrationen. Find ich wunderbar, dass Du die Reihe hier besprichst 🙂

    LG, Katarina 🙂

  5. nebelmade said,

    Hab, wie gesagt, drei Erzählungen in einem Sammelband russischer Übersetzungen skandinavischer Geschichten, aber da die anderen drin fehlen, und die Ausgabe so fein ist, wird sie sicher auch in mein Bücherregal wandern. 😉

  6. (Die Sonntagsleserin) KW #09 – März 2014 | Bücherphilosophin. said,

    […] “Die Mumins” lese, dann blubbern Kindheitserinnerungen in meinem Herzen herum. Für kiyaliest war es die erste ausführliche Begegnung mit der Reihe, für mich die gefühlt Zehntausendste und […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: