Brom: Der Kinderdieb

November 5, 2013 at 17:31 (gelesen)

Brom ist für seine Bilder bekannt (ich habe auch noch ein altes Artbook irgendwo). Sein Stil hat großen Wiedererkennungswert, und ich war gleich sehr interessiert, als ich mitbekam, daß Brom einen Roman geschrieben hat, der auch mit seinen Zeichnungen illustriert ist.

„Leise wie ein Schatten streift ein merkwürdiger Junge durch die dunklen Straßen von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die in einer aussichtslosen Situation nicht mehr weiterwissen. Peter rettet sie – und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch Peter verrät ihnen nicht, dass dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr…“

Die ganze Aufmachung ist sehr gelungen, der Pan Verlag hat mit dem „Kinderdieb“ ein wirklich ansprechendes Hardcover herausgebracht. Neben Farbtafeln, die die wichtigsten Charaktere zeigen, und Illustrationen am Kapitelanfang, ist auch eine Karte von Avalon enthalten. Auch der Ansatz, sich Peter Pan mal aus anderer Perspektive zu nähern, ist bestechend – Brom erzählt im Nachwort einiges dazu.

Ich war vorsichtig gespannt, weil ich im Vorfeld so viel davon gehört hatte, wie voller Brutalität und Grausamkeit das Buch sein soll. Letztlich war dieser Aspekt zwar sehr präsent, aber gut zu ertragen, und zum Teil war ja wohl ein Anliegen des Autors, eben keine zweite Disney-Version zu schreiben, sondern die Vision eines zerfallenden, düsteren Avalons, die (auch) Erwachsene anspricht.

Die wilde Bande von Kindern und Jugendlichen, die ihrem eigenen Leben entflohen und Peter durch den Nebel gefolgt sind, nur um dort feszustellen, daß sie eben nicht im gelobten Land gelandet sind, ist individuell und gut charakterisiert, bietet jedoch – finde ich – keinen wirklichen Sympathieträger, was aber paßt. Gerade der Schluß macht allerdings noch einmal deutlich, wer die wirkliche Hauptfigur ist. Über Peters Geschichte und seine Beziehung zu der geheimnisvollen Dame wird in Rückblenden mehr berichtet.

„Der Kinderdieb“ hat alle Voraussetzungen, ein grandioses Buch zu sein, und für eine Weile dachte ich auch, daß es diesen Erwartungen entsprechen könnte. Irgendwo in der zweiten Hälfte ließ der Zauber Avalons allerdings nach und wurde ersetzt von zahlreichen Kampfszenen, die mich nach einer Weile etwas ermüdeten, weil der Effekt sich abnutzt und der Plot simpler wird. Ich fand es interessanter, die Geheimnisse der Insel langsam zu entdecken und nicht genau zu wissen, was sich noch alles im Nebel verbirgt und hätte viel lieber noch mehr über die Wälder und Bewohner Avalons erfahren. Auch Figuren wie Tanngnost hätten sicherlich noch mehr zu sagen gehabt.

Ein Buch zwischen märchenhaften Mythen und drastischem Realismus, das ich sehr mochte und im Gedächtnis behalten werde, das aber knapp daran vorbeigeschrammt ist, wirklich bemerkenswert zu sein.

„Ab jetzt gibt es kein Zurück. Der Nebel wird uns nach Avalon bringen, an einen Ort, wo man niemals erwachsen wird. Eine Insel der Magie und der Abenteuer, aber dort gibt es auch Gefahren und… Ungeheuer. Nick, begleitest du mich aus freien Stücken?“

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3 Kommentare

  1. Winterkatze said,

    Mir hatte „Brom“ sehr gut gefallen. Die Kampfszenen waren für mich aber auch stimmig, während ich ganz zufrieden damit war, dass nicht alle Geheimnisse Avalons gelüftet wurden. So hatte ich noch genügend Aspekte, die mich beschäftigt haben und die ich mir selber ausmalen konnte. 😉 Aber ich habe den zweiten Teil des Romans auch in einem Stück gelesen, vielleicht fiel mir deshalb nicht so auf, dass es weniger detailliert war.

  2. Tanja said,

    Oh ja, da werden Erinnerungen wach. Wahrscheinlich werde ich das Buch nochmals zur Hand nehmen. Der Droemer Knaur Verlag hat (ich glaube in diesem Jahr) Krampus von Brom veröffentlicht. Inhaltlich passt das sogar zur Jahreszeit. Ich bin wirklich sehr gespannt, denn wenn ich mich an etwas gut erinnere, dann daran, dass Brom ein wunderbarer Erzähler ist.

  3. Kiya said,

    @ Winterkatze: Es ist ja auch wie gesagt ein insgesamt sehr schönes Buch, ich habe eben nur beim Lesen gemerkt, daß ich so mit dem letzten Drittel nicht mehr so zufrieden war. Und stimmig waren die Kampfszenen, aber eben für mich auch etwas beliebig. Ich fürchte, durch die kleine Enttäuschung am Ende klingt die Gesamtmeinung aber schlechter, als sie gemeint ist 😉

    @Tanja: „Krampus“ hatte ich vorbestellt 🙂 Nach der Pleite mit der englischen HC-Ausgabe (roughcut *grrr*) mußte ich warten, aber die deutsche Ausgabe ist viel schöner. Ich will das Buch ganz gerne im Winter lesen, so um Weihnachten herum. Ein anderes Krampusbuch ist übrigens „Weißer Schrecken“ von Thomas Finn. Kennst du das?

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