[Test] eReader / Kindle

Oktober 11, 2013 at 13:15 (vorgestellt)

Ich habe mich vor kurzem quasi in Feindesland begeben und mir anläßlich des mittlerweile stark gefallenen Preises einen Kindle zugelegt. Ich sehe in eBooks zwar nicht den Untergang des Abendlandes, stehe aber eigentlich (trotz akuten Platzmangels) fest auf der Seite des gedruckten Buches, aus all den hinreichend bekannten und immer wieder in der Debatte aufgeführten Gründen. Kostenlose Angebote mag ich aber auch…

Etwa seit Beginn des Jahres habe ich die Kindle-App für den PC genutzt, um die besagten (zahlreichen) Angebote nutzen zu können, ohne Geld in einen eReader investieren zu müssen 😉 Man kann dadurch die ganze Sache recht schmerzlos ausprobieren.

Auf diese Weise kam mit der Zeit eine überraschend große Anzahl interessanter Titel zusammen – das Problem war nur, daß ich am PC-Bildschirm schlicht nicht gern lese und die eBooks also letztlich überwiegend mit Mißachtung gestraft habe. Die bisher gesammelten Kindle-eBooks und der allgemeine Komfort sind übrigens auch der Grund, warum ich mir andere eReader gar nicht näher angesehen habe. Prinzipiell kann ich aber gut verstehen, daß man sich für einen anderen Anbieter entscheidet, um sich nicht an Amazon zu binden.

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Auf dem eReader soll das Lesegefühl ja doch noch mal ein anderes sein, also machte ich, unterstützt vom Preisargument, den Versuch. Der Kindle ist für 49 € zu haben, mir ging es vor allem darum, ein Einstiegsmodell auf seinen Nutzen für mich zu testen, nicht um irgendwelche Zusatzfunktionen, die die neueren Modelle vermutlich haben. Das einzige, was ich mir noch aus dem umfangreichen Pool der Ausstattungsmöglichkeiten gekauft, ist eine Lederhülle mit Licht (die in violett :-)) – ist zwar eine sinnvolle Ergänzung schon aus Schutzgründen beim Transport, aber zu teuer.

Die Bedienung des Geräts ist übrigens sehr unkompliziert, nach kurzer Einstiegshektik wegen nicht funktionierendem W-Lan haben sich keine weiteren Schwierigkeiten ergeben. Der Akku hält lange, bei mir mehrere Wochen (allerdings lese ich nicht besonders viel darauf). Die Schriftgröße habe ich bisher nicht anpassen müssen, da ich die voreingestellte Größe als angenehm empfinde. Die eBooks der App lassen sich natürlich auf das Gerät laden, sobald es eingerichtet ist. Meine Kategorien – irgendwann wird Sortieren notwendig – habe ich ebenso wieder eingerichtet wie ich sie bei der App schon erprobt hatte.

Die große Frage für mich war, ob das Lesen nun wirklich angenehmer ist als am PC – und ja, ist es. Das Display ist deutlich angenehmer, als ich erwartet habe. Während die eBooks auf dem PC ziemlich brachlagen, lese ich sie nun immerhin.

Andererseits habe ich mir bisher vor allem Leseproben und Kurzgeschichten bis 60 Seiten vorgenommen. Wie ich mit Romanen zurechtkomme, muß ich noch herausfinden. Erfreulich ist, daß sich auch PDF lesen lassen – hier muß man allerdings evtl. etwas an der Schriftgröße basteln, die sich nicht einfach so verändern läßt wie bei den gewöhnlichen eBooks.

Nett sind darüber hinaus die integrierten Wörterbücher für Deutsch und Englisch (einsprachig), könnte für das Lesen in Fremdsprachen hilfreich sein. Ein deutsch-japanisches Wörterbuch gab es kürzlich gratis, so daß ich das nun ebenfalls besitze 😉 Weitere Wörterbücher kann man bei Bedarf hinzufügen. Ich schätze, ich sollte mindestens noch ein französisches ergänzen.

Bei den kostenlosen eBooks (von Klassikern abgesehen) ist es natürlich so, daß neben den gelegentlichen Perlen, die oft nur wenige Tage preisreduziert sind, auch viel Müll dabei ist. Klar man die gegebenenfalls einfach wieder löschen, aber ich bin ziemlich zurückhaltend damit, jeden Quark mit Aufmerksamkeit zu bedenken, nur weil er nichts kostet. Ich habe daher inzwischen auch schon für einige eBooks bezahlt, würde aber für so eine Datei nicht annähernd so viel wie für das gedruckte Buch ausgeben. Damit ein eBook für mich überhaupt interessant ist, muß es signifikant billiger sein.

Insgesamt erfüllt der Kindle seinen Zweck gut, eBooks ersetzen für mich aber keinesfalls das gedruckte Buch. Über den eReader, den ich als Ergänzung sehe, möchte ich Dinge lesen, die ich auf dem üblichen Wege gar nicht oder nur sehr teuer erhalten kann. Außerdem finde ich den kostenlosen Zugang zu Klassikern sehr positiv, das ist sicherlich auch interessant für Schüler und Studenten. Wenn sie mir gefallen, kann ich mir immer noch eine schöne Ausgabe für’s Regal kaufen.

 

Ich mag den Kindle für:

* Kurzgeschichten, die nur im eBook-Format erscheinen, und Leseproben

* kostenlose Klassiker und Angebote

* PDF

* Bücher, die es gedruckt nicht mehr oder nur zu horrenden Preisen gibt

* unterwegs, auch zur Arbeit, weil er dezenter ist als ein Taschenbuch und auf dem Schreibtisch nicht so auffällt 😉

 

Ich mag den Kindle nicht für:

* eigentlich alle, auf die obige Punkte nicht zutreffen, v.a. aber:

* Bücher, die es in besonders schönen Ausgaben oder mit Illustrationen gibt

* Bücher, die es auch als preiswertes Taschenbuch gibt

* sehr umfangreiche Bücher

* Bücher, bei denen ich viel hin und her blättere, etwa zu Anhängen oder Karten

 

Zuletzt heruntergeladen:

Gregory Maguire: Wicked (1,99 €) * Heinrich Heine: Elementargeister * Spinoza: Ethik * Voltaire: Candide * Edith Wharton: Ethan Frome * Maja Ilisch: Das Puppenzimmer (XXL-Leseprobe) * Henry James: Daisy Miller * Jonathan Greene: Unnatural History (0,99 €) * Martin Clauß: Falkengrund Sammelbände 1 und 2 (à 0,99 € – PDF kostenlos, aber die Kindle-Version liest sich für mich doch entspannter) * Briggs/Steinbrenner: First Bite (0,75 €) * T.L. Shreffler: Sora’s Quest * Shelley Adina: Magnificent Devices 4-Book Bundle (mein mit 7 € teuerstes EBook, anläßlich des Kindle-Kaufs erworben ;-)) * Ovid: Metamorphosen * Septimus Heap: Darke Toad

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3 Kommentare

  1. Winterkatze said,

    Mir fehlt bei dickeren Büchern noch immer ein wenig das Gefühl für den Umfang der gelesenen Seiten. Beim Lesen mit dem Reader ist mir aufgefallen wie oft ich sonst unbewusst abschätze, wie viel ich schon gelesen habe.

    Letztendlich komme ich zu dem gleichen Fazit wie du: Für Texte, die man nur in die Finger eBook-Version bekommt, ist der Reader angenehmer als der PC – ansonsten bevorzuge ich immer noch das gedruckte Buch. 🙂

  2. Kiya said,

    Dieses Abschätzen mache ich auch oft, aber auch bewußt – so: ein Viertel gelesen / Seite 500 überschritten / noch 15 Seiten bis zum Ende des Kapitels usw. 😉

    Bei den dicken Büchern auf dem eReader bin ich vor allem gespannt, wie sich… hm… meine Leseweise bzw. das Parallel-Lesen so auswirken. Ich fürchte, auf dem eReader verzettelt man sich leichter.

  3. Winterkatze said,

    Bei mir ist es oft so, dass ich vergesse, dass ich ein Buch auf dem Kindle angefangen hatte. Wenn es nicht gerade etwas ist, dass mich so richtig fesselt oder das ich mir bewusst vorgenommen habe, dann fühlt sich das nicht an, als ob da noch was warten würde. Es ist eher „ah, da liegt der Reader“, als „das Buch muss ich auch weiterlesen“. ;D Vielleicht auch deshalb, weil die E-Books keinen extra Platz auf dem Tisch einnehmen, während ich die Buchstapel gern so schnell wie möglich abbaue – oder zumindest dann, wenn mein Mann sich über den fehlenden Blick auf den Fernseher beschwert.

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