C.S. Lewis: The Magician’s Nephew / The Lion, the Witch and the Wardrobe

März 27, 2013 at 18:27 (gelesen)

Wie lange nehme ich mir schon vor, die Narnia-Bücher einmal zu lesen – nicht nur aufgrund des Klassikerstatus, sondern in jüngerer Zeit auch zur Ergänzung der „Imaginarium Geographica“-Reihe? Ich weiß es nicht. Kaufen wollte ich sie jedenfalls ungern, denn die christlichen Einflüsse sind bekanntlich sehr stark (und der Grund, weshalb ein erster Leseversuch vor Jahren schon im ersten Band gescheitert ist); da ich in dieser Hinsicht sehr ungnädig bin, wollte ich, wenn überhaupt, möglichst wenig Geld ausgeben. Irgendwann kam mir dann ein Rebuy-Angebot vor die Nase, seitdem befindet sich ein englischer Schuber, dessen Inhalt überwiegend ungelesen aussieht und der mich gerade mal 6 € gekostet hat, in meinem Besitz.

Band 2 zählt für die „Bücher, die man gelesen haben muß“-Challenge, was ein schöner Ansporn war, endlich mit dem Lesen zu beginnen. Davor war allerdings noch „The Magician’s Nephew“ zu überstehen, was zwar fast zuletzt geschrieben wurde, aber zuerst gelesen werden soll.

„The Magician’s Nephew“ beginnt und endet sehr zufriedenstellend: den typischen britischen Kinderbuchtonfall beherrscht Lewis ganz offenkundig. Die Charaktere sind zeittypisch nicht besonders detailliert ausgearbeitet, aber der Wohlfühlfaktor ist hoch und es macht Spaß, mit Polly und Digory erste Schritte in den fremden Welten zu machen, die sie erkunden. Die menschenleere Stadt, in der sie schließlich auf die Hexe stoßen, hat mir ebenfalls gefallen. Wenig später kommen die gesammelten Charaktere allerdings im entstehenden Narnia an, und dort geht es dann los mit dem Haareraufen (jedenfalls bei mir) – der Löwe (den ich noch nie leiden konnte, auch nicht in den Filmen) fängt an mit seiner Singerei, der Auswahl der Tiere und seiner ganzen übrigen Welterschaffung. Macht überhaupt keinen Spaß, weil die religiösen Elemente dem ungeneigten Leser sozusagen ins Gesicht springen, und ist auch die Stelle, an der ich früher gescheitert bin – diesmal habe ich möglichst darüber hinweggelesen, und tatsächlich wurde es danach wieder besser.

Dann also zu „The Lion, the Witch and the Wardrobe“, dem ursprünglichen Beginn der Narnia-Erzählungen. Die störenden Elemente sind hier ebenfalls vorhanden, lassen sich aber leichter übersehen, und gerade der von der Hexe geschaffene Winterwald, in den Susan, Peter, Lucy und Edmund durch den Schrank gelangen, hat mir gefallen. Die Verbindungen zu „The Magician’s Nephew“ sind gut eingeflochten; ich mag den Laternenpfahl, der seinerzeit in Narnia wuchs und den die neuen Protagonisten ebenfalls passieren 🙂 Vieles kam mir auch aus der Verfilmung bekannt vor. Schön sind ergänzend aber auch die Illustrationen in meiner Ausgabe – darauf sieht man etwa, daß man sich dort die Höhle des Fauns Tumnus wie ein perfektes britisches Wohnzimmer vorstellte, stark abweichend vom Film also. Insgesamt habe ich mich mit diesem Band wohler gefühlt, der mehr auf die Abenteuer der Kinder in Narnia als auf dessen „Schöpfung“ fokussiert.

Ich bin froh, daß die Challenge mich endlich dazu gebracht hat, mit den Narnia-Büchern anzufangen, zumal die Lektüre zum winterlichen Wetter draußen gut paßte. Die ersten beiden Bände lasen sich sehr gemütlich und schnell weg. Die phantasievolle Reihe ist nicht umsonst klassisch im Kinderbuchbereich geworden, wird aber sicherlich aufgrund der sehr auffälligen christlichen Bezüge und der anstrengenden generellen Tugendhaftigkeit nicht nur Freunde (gerade unter den älteren Lesern) finden. Heutige Leser müssen außerdem damit rechnen, daß die Komplexität schon aufgrund des Umfangs recht gering ausfällt. Für mich sind zudem sprechende Tiere grundsätzlich eher nervig (und Aslan im Besonderen), aber das stört außer mir wohl kaum jemanden 😉 – Lesenswert mit Abstrichen also.

„Lucy felt a little frightened, but she felt very inquisitive and excited as well. She looked back over her shoulder and there, between the dark tree-trunks,she could still see the open doorway of the wardrobe and even gatch a glimpse of the empty room from which she had set out.“

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7 Kommentare

  1. Neyasha said,

    Ich hab mich eigentlich (auch als erwachsene Leserin) nie an den religiösen Elementen gestört, aber es stimmt, dass die Bücher schon recht simpel und knapp sind.
    Die Narnia-Bände hab ich in der „alten“ Reihenfolge (also in der Reihenfolge des Erscheinens) gelesen und somit „The Magician’s Nephew“ erst relativ am Schluss. Aber es hatte auch irgendwie seinen Reiz, auf die altbekannten Elemente wie etwa die Laterne zu stoßen und nun zu erfahren, was es damit auf sich hat. Ich hab mich ja sehr darüber amüsiert, wie die Tiere versuchen, den Onkel einzupflanzen (oder so). 😉 Und die verlassene Stadt am Anfang ist sowieso großartig.
    Neben „The Voyage of the Dawntreader“ ist eigentlich „The Magician’s Nephew“ fast mein Lieblings-Narnia-Band.

  2. Kiya said,

    Mich stört bei Kinderbüchern generell der Versuch, Moral aufzudrücken, das ist also nicht nur auf die religiösen Elemente beschränkt – aber in dieser Form ist es hier eben allzu auffällig; ich hoffe aber, daß „The Magician’s Nephew“ dahingehend einen Höhepunkt darstellt 😉
    Ja, über die verlassene Stadt hätte ich gerne mehr erfahren – die hatte ein ganz besonderes Flair.
    Als nächstes habe ich „The Horse and his Boy“ vor mir (wobei ich sicherlich eine kleine Narnia-Pause einlegen werde), von dem ich noch so gar keine Vorstellung habe. Aber da du „The Voyage of the Dawn Treader“ lobst, freue ich mich schon einmal auf diesen Band 🙂

    • Neyasha said,

      Nein, der Höhepunkt ist da bestimmt „The Last Battle“. Zumindest ging es da nach meinem Gefühl mehr um Religion und Glauben als bei „The Magician’s Nephew“.
      Die anderen Bände rücken das mehr in den Hintergrund, wenn ich mich recht erinnere. Natürlich spielt Aslan immer eine gewisse Rolle, aber nicht in demselben Ausmaß.

      Ich glaube, der Grund, weshalb mich das bei Narnia nicht so stört, ist, weil es Lewis ja tatsächlich darum ging, quasi ein „alternatives“ Christentum darzustellen, mit dem Kinder auch etwas anfangen können. Seine Intention ist klar und ich wusste, worauf ich mich einlasse. Mich stört es vielmehr, wenn so etwas in verkappter Form in den Figuren versteckt wird, obwohl es nicht zu ihnen passt. Wenn man also genau merkt, dass da nicht die Figuren sprechen, sondern eben der Autor.

  3. Winterkatze said,

    Als Kind habe ich diese ganzen christlichen Anspielungen gar nicht mitbekommen und als Erwachsene lese ich die Bücher immer noch mit diesem kindlichen Auge. 😉

    Und ich finde es ganz erfrischend, wenn Kinderbücher nicht so komplex und umfangreich sind wie es heute in der Regel der Fall ist – dann rücken sie für mich näher ans klassische Märchen und bieten m. M. auch wieder mehr Spielraum für die eigene Fantasie.

  4. Kiya said,

    Mit einem kindlichen Auge kann ich die Bücher auch lesen und mögen – aber das andere Auge läßt sich nicht immer zukneifen 😉
    Ich mag beide Arten von Kinderbüchern – die längeren, komplexeren, die heute möglich sind, aber auch die eher klassischen.

    Ich bin schon gespannt, wie ich irgendwann, wenn ich alle Bände gelesen habe, die gesamte Reihe finden werde. Außer mir scheint sie ja jeder bereits gelesen zu haben… aber diese sprechenden Tiere haben mich als Kind wirklich abgeschreckt. Ich war in der Bibliothek immer eher in den Abteilungen Grusel & Krimi zu finden 🙂

  5. Winterkatze said,

    Als Kind habe ich mich von sprechenden Tieren ebenso wenig abschrecken lassen wie von Blutorangensaft trinkenden Vampiren, Kinderdetektiven, Drachen oder den Wombles. Da war ich viel vorurteilsfreier als heute. 😀

  6. Kiya said,

    Ketchupvampire!!

    Ich weiß nicht, warum ich sprechende Tiere nicht so mochte – vermutlich waren es meist einfach Geschichten der Sorte, die ich uninteressant fand… rührselig und umweltfreundlich und so 😉

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