Arturo Pérez-Reverte: Der Club Dumas

Januar 27, 2013 at 23:06 (gelesen)

Mich hat die Handlung von „Der Club Dumas“ einfach interessiert, als ich darauf gestoßen bin – als ich das Buch gekauft habe, war mir also tatsächlich noch nicht klar, daß es sich dabei um die Buchvorlage zu „Die neun Pforten“ handelt 😉

„Lucas Corso sucht im Auftrag von Händlern und Sammlern nach seltenen Erstausgaben und prachtvollen Wiegendrucken. Zwei bibliophile Kostbarkeiten werden dem Bücherjäger zum Verhängnis: ein wertvoller okkulter Band, dessen Drucker vor Jahrhunderten auf dem Scheiterhaufen endete, und das Kapitel eines Originalmanuskripts von Alexandre Dumas. Manche Bücherschätze entzünden offensichtlich Leidenschaften, die geradewegs in den Wahnsinn führen…“

Es ist definitiv ein Buch für Bücherliebhaber – sehr detailliert wird auf verschiedene Qualitätsmerkmale und Charakteristika wertvoller antiquarischer Bücher eingegangen; dazu kommen viele Fachsimpeleien und Diskussionen über Literatur. Es gibt Worterklärungen etwa für Buchformate und Papiersorten am Ende, die für diesen Kontext hilfreich sind, wenn man sich auf diesem Gebiet weniger auskennt. – Wer diesen Fokus nicht schätzt, wird mit dem Gesamtprodukt vermutlich kaum glücklich werden, so viel sei vorab gesagt.

Der Protagonist Lucas Corso ist spröde und von der zynischen Sorte. Ich fand ihn gut charakterisiert und in der Rolle sehr passend. Ihm zur Seite gestellt wird eine geheimnisvolle Begleiterin, die sich als Irene Adler vorstellt, die aber ganz anders und deutlich interessanter wirkt als die Standardblondine im Film.

Das Buch ist deutlich weniger actionreich als der Film. Außerdem verwendet der Film nur einen der zwei parallel verlaufenen Handlungsstränge, nämlich den um das Buch „Die neun Pforten“, dessen Ausgaben der Bücherjäger vergleichen soll. Der eigentlich titelgebende Handlungsstrang um den Club Dumas dagegen wird unterschlagen; die Verbindung zwischen beiden Elementen wird auch im Buch erst spät deutlich.

Schön sind die Zitate an jedem Kapitelanfang, die nicht nur von bekannten Autoren stammen. Ich habe dadurch Lust bekommen, mich nicht nur in die „Drei Musketieren“, sondern auch z.B. in meine Ausgabe von „Der verliebte Teufel“ zu vertiefen. Enthalten sind neben weiteren Abbildungen, die die Hintergründe historisch verankern und anschaulich machen, auch die neun Bildtafeln aller drei Ausgaben von „Die neun Pforten“, was dazu motiviert, selbst immer wieder hin und her zu blättern und nach den Unterschieden zu suchen.

Einzig der Schluß erscheint etwas übereilt und hält insgesamt nicht ganz das versprochene Niveau, was ein kleiner Wermutstropfen für mich war und mich irgendwie enttäuscht zurückgelassen hat. Insgesamt war die Mischung aus Weltliteratur, Bibliophilie, Abenteuer und Okkultismus aber trotzdem sehr interessant und ganz nach meinem Geschmack 🙂 Wer den Film gerne gesehen hat, wird das Buch allerdings nicht zwingend ebenfalls mögen, denn es ist doch merklich ruhiger und mit zahlreichen Informationen und Anspielungen gespickt, die den Fortgang der Handlung eher verlangsamen, dafür aber erfreulicherweise für einen etwas höheren Anspruch sorgen.

„‚Mitte des 17. Jahrhunderts. Schauplatz: Venedig. Hauptdarsteller ein Buchdrucker namens Aristide Torchia, der auf die Idee verfällt, das sogenannte Buch der neun Pforten ins Reich der Schatten herauszugeben, eine Art Anleitung zur Beschwörung  des Teufels…“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: