Elizabeth Woods: Caras Schatten

November 10, 2012 at 12:37 (gelesen)

Caras Schatten hat ein auffälliges, schönes Cover und ein angenehmes Format, das relativ schmal ist (ich wurde schon darauf hingewiesen, wie gut sich das auch für Gedichtbände eignen würde ;-)). Der optische Eindruck ist also ansprechend; auch der Klappentext hat mich neugierig gemacht:

„Als Kinder haben sich Cara und Zoe ewige Freundschaft geschworen. Inzwischen sind beide 16 Jahre alt und leben schon lange in verschiedenen Städten. Doch plötzlich steht Zoe vor Caras Tür. Cara nimmt sie überglücklich bei sich auf. Zoe ist wieder da, ihre einzige Vertraute. Doch irgendwie benimmt sie sich seltsam. Und dann stirbt plötzlich Caras Erzfeindin…“

Genug Gründe also für mich, dem Buch eine Chance zu geben. Fraglich ist, ob der Inhalt ebenso überzeugend ist wie das Äußere.

Der Prolog führt Cara und Zoe ein, eine Episode ihrer Freundschaft als Kinder wird geschildert. Hat mir gefallen und ist fast ein bißchen unheimlich, zumal man hier schon ahnt, daß Zoe eine schwierige Persönlichkeit ist.

Das typische High School-Setting ist zunächst nicht besonders beeindruckend. Cara wird gemobbt – unter anderem von der Clique ihres Schwarms – und reagiert darauf sehr sensibel. Sie verschluckt sich, hat das Gefühl zu ersticken. Eine Szene, die ihr den bösen Spitznamen „Würger“ einbringt, der auf den Originaltitel „Choker“ verweist, der ebenfalls gut gewählt ist.

Irgendwann taucht Zoe einfach in Caras Zimmer auf. Sie hat die Absicht, einige Tage zu bleiben, um Problemen mit ihren Eltern aus dem Wege zu gehen. Cara ist glücklich, ihre alte – und immer noch beste – Freundin wiederzusehen, und versteckt sie, was zunehmend schwierig wird. Die Szenen mit Zoe sind dann auch sowohl die interessantesten als auch die sprachlich eindringlichsten (der Stil ist im übrigen einfach gehalten). Gemeinsam mit Cara steigert sich auch beim Leser die Ahnung, daß mit Zoe etwas ganz und gar nicht stimmt, zur Gewißheit, auch wenn ich schon früh eine Vorstellung hatte, worauf die Geschichte hinausläuft. Es gibt andere Möglichkeiten, aber mein Verdacht war ziemlich stark.

Die Grundidee ist insofern nicht besonders originell, die Ausführung aber gut lesbar und auch spannend – jedenfalls wollte ich unbedingt wissen, ob ich nun richtig vermutet hatte oder nicht 😉 Möglich, daß der Überraschungseffekt für jüngere Leser stärker ist. Die Autorin hat außerdem der Versuchung widerstanden, die Handlung zu sehr auszudehnen. So wie es ist hat „Caras Schatten“ gerade die richtige Länge für einen kleinen Lesenachmittag.

„Während sie das Handtuch über der Brust feststeckte, tapste sie zu ihrem Zimmer am Ende des Flurs. Die Wände waren in tiefe Schatten gehüllt. Sie stolperte über ein paar Schuhe, die vor ihrem Zimmer herumlagen, und öffnete die Tür. ‚Hallo, Cara.‘ Sie kreischte und betätigte den Lichtschalter. Zoe saß auf ihrem Bett. Ihre violetten Augen leuchteten.“

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2 Kommentare

  1. Neyasha said,

    Hm, ich hatte ja schon beim Klappentext eine Ahnung, worauf es hinauslaufen könnte und bin gerade deshalb sehr unschlüssig, ob ich das Buch lesen will. Es steht schon eine Weile auf meiner Wunschliste, aber wenn ich schon vor dem Lesen ahne, was der „Wendepunkt“ ist, wärs eher nervig … (nur weiß ich ja nicht, ob ich nicht auf dem falschen Dampfer bin)

  2. Kiya said,

    Hoppla, zu antworten vergessen… Vielleicht findest du es ja in der Bibliothek oder kannst es anderswo entleihen? Wenn es dich interessiert, wäre es ja schon gut es wenigstens mal anzufangen – sonst weißt du ja nie, ob du richtig gedacht hast 😉

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