Kate Morton: Der verborgene Garten

Juni 10, 2012 at 12:51 (gelesen)

Klappentext und Ersteindruck gab’s bereits (hier) und werden deshalb nicht wiederholt.

„Der verborgene Garten“ ist atmosphärisch und detailliert geschrieben und damit ein richtiges Sonntagnachmittagsschmökerbuch, wobei sich nach und nach die Familiengeschichte zusammensetzt. Dazu wird auf mehreren Zeitebenen erzählt: wir verfolgen Eliza, Rose und ihre Zeitgenossen um 1900, Nell 1975, schließlich deren Enkelin Cassandra – die sich auf den Weg von Australien nach England macht, um die eigene Herkunft zu klären – im Jahr 2005.

So eine Vorgehensweise kann schiefgehen, wenn die Sache dadurch kompliziert wird oder wenn man sich eigentlich nur für einen Handlungsstrang interessiert und bei den anderen dann nicht recht weiterkommt. Beides war hier nicht der Fall, für mich hat diese Methode das Buch interessanter und lebendiger gemacht und es geschafft, Geschichte und Personen von mehreren Seiten zu beleuchten.

Der titelgebende verborgene Garten spielt tatsächlich eine große Rolle, ich habe allerdings auch von Parallelen zu „The Secret Garden“ gelesen (vielleicht im Sinne einer Hommage? – Frances Hodgson Burnett taucht immerhin sogar persönlich im Buch auf). Das liegt noch auf meinem SuB, insofern kann ich diesen Punkt noch nicht beurteilen.

Die Einbindung von Elizas Märchen durch das Schlüsselobjekt Märchenbuch, aber auch durch den Abdruck einzelner vollständiger Märchen, die Hinweise auf das Geheimnis enthalten, ist gelungen.

Minuspunkte gibt es für wirklich zahlreiche „zufällige“ Entdeckungen und dafür, daß mir ca. auf Seite 400 klar war, worauf die Sache hinausläuft. Bis die Auflösung im Buch erfolgt, dauert es dann noch eine ganze Weile – hier empfand ich den Plot als einigermaßen durchsichtig.

Es ist eine ziemlich Frauengeschichte – interessante männliche Charaktere sind erwartungsgemäß rar. Dauernd würde ich so etwas nicht lesen wollen. Auch die Damen weisen zudem vertraute Züge auf; ich führe es auf den angenehmen Erzählfluß zurück, daß ich trotzdem gerne von ihnen gelesen habe. Die eingebundene Liebesgeschichte entspricht dem Harmonie-Klischee, nimmt aber nicht viel Raum ein.

Ich finde, daß alles in allem bekannte Versatzstücke ansprechend kombiniert werden, und nutze „Der verborgene Garten“ für das Challenge-Thema Selbstverwirklichung/Selbstfindung. Es ist natürlich ein Unterhaltungsroman ohne besondere Tiefe und sollte so auch verstanden werden, aber Morton hat die Epochen offenbar durchaus recherchiert und fühlt sich außerdem durch die englischen Klassiker à la „Jane Eyre“ inspiriert.

Ich vermute, daß mir dieses Buch auch deshalb gefallen hat, weil es für mich das erste dieser Art ist. Inzwischen habe ich auf dem Markt diverse Nachahmer gefunden, allerdings interessiert mich vorerst keiner dieser Titel (vermutlich macht es auch wenig Spaß, allzu viel von der Sorte zu lesen, wahrscheinlich ist es dann doch immer dasselbe). Auf die weiteren Bücher Kate Mortons habe ich im Gegenzug große Lust, zumal offenbar nicht immer wieder dieselben Elemente auftreten.

„Unter dem Heft lag das Märchenbuch. Der Einband war aus grünem Karton mit goldener Schrift: Zauberhafte Märchen für Mädchen und Jungen von Eliza Makepiece. Cassandra flüsterte den Namen der Autorin vor sich hin, spürte die geheimnisvollen Laute an ihren Lippen. Ehrfürchtig schlug sie das Buch auf.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: