Alexander Lohmann: Thronräuber

Juni 6, 2012 at 11:07 (gelesen)

Etwa drei Jahre verbrachte dieses Buch auf meinem SuB – ich wollte damals gerne mal etwas lesen, das in der Aventurien-Nachbar-Welt Myranor spielt. Zu einer anderen Bestellung gab es „Thronräuber“ dann quasi als Bonus (weil reduziert) dazu. So lange hat bei mir wirklich noch kein Rollenspielroman gelegen, die sind normalerweise ja leichte Zwischendurchkost und schnell beendet – allerdings kaufe ich da kaum noch nach, weil es doch oft nur wieder mehr vom Gleichen ist.

Ich habe „Thronräuber“ immer mal begonnen, bin aber nur wenige Seiten weit gekommen, so daß ich später dann doch wieder neu angefangen habe. Jetzt habe ich mir einen Ruck gegeben – schließlich hat das Buch nur 300 Seiten -, weil ich es a) endlich vom SuB haben wollte und b) ich so einen Autor mit L für die Challenge abhaken konnte 😉

In Neanikis herrscht die Angst. Vor zehn Jahren verließ die Magierin Baliante ihre Heimat, jetzt, bei ihrer Rückkehr findet sie die Stadt verändert vor. Ein düsterer Dämonenturm ragt über dem Palast auf, ein Tyrann beherrscht die Stadt, die am Rande eines Aufruhrs steht. Baliante möchte sich aus all dem heraushalten und wird doch immer tiefer in die Ereignisse verstrickt: Die Rebellen von Neanikis wollen Baliantes Zauberkraft für die Befreiung des rechtmäßigen Herrschers nutzen. Keiner von ihnen ahnt allerdings, mit welcher Macht sie es wirklich zu tun bekommen werden. Der Schrecken, der Baliante einst aus Neanikis vertrieb, ist immer noch lebendig …

Interessiert hat mich ursprünglich die Sache mit dem „düsteren Dämonenturm“, die sich ja hoffentlich mit der Darstellung einer myranischen Stadt und eines interessanten Magiesystems verbinden sollte. Nun ja. Letztlich habe ich mich mit „Thronräuber“ ziemlich gequält, es war vermutlich die größte Leseenttäuschung seit langem. Bei Rollenspielromanen erwarte ich keine schriftstellerischen Heldentaten, aber offenbar gibt es inzwischen ja auch andere Bücher von dem Autor (in der aktuellen Nautilus war eine Leseprobe, die ich stilistisch noch übler fand als „Thronräuber“ – ich werde insofern von Lohmann nichts mehr lesen).

Zunächst dauert es eine Weile, bis man tatsächlich in Neanikis ankommt. Die Hoffnung auf das Stadtsetting hat mich bis dahin bei der Stange gehalten – das Vorgeplänkel war nämlich schon recht konventionell. Ganz im Sinne des Heldengruppengedankens ziehen die zusammengewürfelten Charaktere, die aus fadenscheinigen Gründen zusammen fliehen, erst einmal durch den Dschungel. Hier zeigt sich schon, was im ganzen Buch nicht besser wird: es liest sich einfach wie ein niedergeschriebenes DSA-Abenteuer, nicht wie ein anständiger Roman. Die Besonderheiten Myranors werden nicht genutzt; ob die Gruppe nun im Dschungel von Pardir oder im Wald von Räubern angegriffen wird, ist doch völlig gleichgültig – es bleibt ein überstrapaziertes Erzählschema, in dem nur die Protagonisten wechseln.

In Neanikis habe ich dann eigentlich keinen nachhaltigen Eindruck des Stadtlebens bekommen. Es gibt da offenbar den zu stürzenden Herrscher und darum den üblichen Rebellenplot (mit dem Autoren wie Brandon Sanderson allerdings auf ganz anderer Ebene umzugehen verstehen), aber viel Hintergrund gibt es dazu nicht, so daß mich das Ganze nicht besonders interessiert hat. Schauplätze sind nur oberflächlich beschrieben, stattdessen kann man langwierige Dialoge lesen, die zu wenig führen, von einem äußerst unorganisierten, aber wenig überraschenden Aufstand abgesehen. Tja, und am Ende gibt es natürlich den Endkampf gegen den bösen Magier *seufz*. Wenigstens klärt der einige der bis dato mehr als dünnen Hintergründe.

Die Charaktere sind für mich Schablonen geblieben. Die weinerliche, passive Baliante nervt zunehmend und läßt ohnehin alles mit sich machen, was der Plot vorsieht. Dann gibt es da noch den geistig zurückgebliebenen Chrysonias, der natürlich auch seine kleine große Stunde haben darf, und Palibatka, der den Großteil der Zeit damit verbringt, unglaublich plump versuchsweise Intrigen anzuzetteln. Dann gibt es da noch die Ashariel Melheni, die immer mal ins Bild flattert, wenn es paßt (deus ex…), schließlich benötigt Baliante etwas Unterstützung.

Tja, normalerweise fallen mir zu Büchern ja einige positive Aspekte ein*, aber „Thronräuber“ hatte tatsächlich nichts, was ich – neben dem gelungenen Cover – hervorheben könnte, weder in Hinblick auf Handwerk noch auf Originalität. Das angestrebte Challenge-L und die kurze Seitenzahl haben die Waage zum Beenden des Buches gesenkt (tatsächlich habe ich mehrfach überlegt, abzubrechen).

„‚Sie sind böse!‘, meinte eine weinerliche Stimme aus der Dunkelheit. Baliante zuckte zusammen. Sie entdeckte Chrysonias zusammengekauert in einer Ecke des Raumes, mit Staub und Schmier bedeckt und beinahe unsichtbar. Nur seine Augen funkelten im einfallenden Licht. ‚Aber jetzt sind sie weg‘, beruhigte ihn Baliante. ‚Aber sie kommen bald wieder. Rasch, gib mir deine Hand. Wir müssen fort von hier!“

* Selbst der grottige erste „House of Night“-Band hat mich immerhin motiviert, den Nachfolger zu lesen, weil die wiccaartige Magie Potential hatte. Viel weiter bin ich in der Reihe dann allerdings nicht gekommen 😉

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2 Kommentare

  1. nebelmade said,

    Oh-ooh-, der Leseabbruch-Frevel lauerte also schon….. *grübel*
    Muss ja wirklich schlecht gewesen sein (obwohl ich das Cover auch hübsch fand ;)). Der Absatz zu den Charakteren ist köstlich („…die alles mit sich machen lässt, was der Plot vorsieht“/“kleine große Stunde“)!
    Ich glaube, ich sollte dir auf kryptische Weise mehr solcher Machwerke zukommen lassen, damit du denen dann mit ein paar lakonischen Federstreichen ebenso amüsant den Garaus machen kannst.

  2. Kiya said,

    Deinen Kommentar zu lesen hat mir gerade sehr viel Spaß bereitet, danke 🙂 Ab und an ein Verriß tut Blog und Seele gut! Bei dir wird es eigentlich auch mal wieder Zeit für einen, oder? 😉

    Will nicht noch mehr Machwerke…! Eigentlich habe ich bei der Auswahl mittlerweile ein glückliches Händchen, aber nun ja – das Buch lag wie gesagt schon einige Jahre. Ansonsten: ich habe noch drei DSA-Romane auf dem SuB… allerdings nehme ich an, daß die besser sein werden *festdranglaubt*.

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