Thomas Plischke: Die Zwerge von Amboss

Januar 5, 2012 at 13:11 (gelesen)

Dieser erste Teil der Reihe um die Zerrissenen Reiche war auf jeden Fall nicht ganz das, was ich ursrpünglich erwartet hatte. Ab und an packt mich die Lust auf klassische Fantasy, und während einem dieser Anfälle war ich auf „Die Zwerge von Amboss“ aufmerksam geworden. Wirklich überzeugt hat mich erst eine Leseprobe (Cover und Titel haben mich zunächst wenig angesprochen). Mit dem Vorsatz, das Buch demnächst zu bestellen, war ich dann in der Buchhandlung unterwegs und siehe da: das aktuell gewünschte Buch lag zusammen mit dem Nachfolger als Mängelexemplar herum. Das ist dann wohl Schicksal, fand ich, und nahm es mit nach Hause – vor ziemlich genau einem Jahr. Zuerst bin ich gar nicht schlecht vorangekommen, aber in der Mitte gab es gewissermaßen einen Leseknick, sodaß ich jetzt erst fertig geworden bin.

So recht klassisch wollen die Zwerge hier wider Erwarten nicht daher kommen, wie schon der Klappentext andeutet:

„Eine mysteriöse Serie von Anschlägen auf namhafte Zwerge erschüttert die Industriestadt Amboss. Der Ermittler Garep Schmied versucht den Vorgängen auf den Grund zu gehen und stößt dabei auf eine Verschwörung, die sich Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit zunutze macht, um einen schrecklichen Krieg anzuzetteln. Zur gleichen Zeit sucht einen Kontinent entfernt ein menschlicher Bestienjäger aus den von religiösen Konflikten zerrütteten Ländern der Menschen nach seiner verschwundenen Schwester – eine Reise, die ihn schließlich in die Heimat der Zwerge führen und ebenfalls zum Ziel der Verschwörer machen wird.“

„Die Zwerge von Amboss“ spielt zwar mit klassischen Elementen von Fantasy und Fantasy-Krimi, ist aber auch streckenweise Kommentar auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen (nein, ich ziehe jetzt keinen Pratchett-Vergleich, der paßt nämlich nicht ;-)). Trotzdem sollte man dieses Buch lieber mit einem Augenzwinkern lesen und verstehen. Der Terminus Industriestadt zeigt schon, daß die Welt der Zerrissenen Reiche dem Mittelalterflair entkommen ist – so etwas gefällt mir ja grundsätzlich immer. Was sich schon in der Leseprobe abzeichnete, zog sich dann durch das ganze Buch: ich hatte eine sehr leichte Lektüre erwartet – stattdessen ist es stilistisch gar nicht schlecht gelungen, enorm bildreich und recht eigenständig. Sehr detailreich ausgearbeiteter Hintergrund ist vorhanden; die Zwerge haben zahlreiche eigene, passende Redewendungen und Ausdrücke, von denen ihre Sprache durchsetzt ist, was zum Flair viel beiträgt. So nennen sie etwa ihre Kinder Kiesel. Menschen (gegenüber denen zahlreiche Vorurteile herrschen), Elfen (wenig präsent) und Halblinge gibt es auch – besonders letztere finde ich spannend, sie treten z.B. als geheimnisvolle Verwalter und Kommissare auf.

Die Handlung ist auch durch die zahlreichen Handlungsstränge relativ komplex: da sind neben Garep auch die Ermittler Bugeg und Karu, Sira und Siris – der Bestienjäger – vom Volk der Menschen sowie eine Halblingin, Anstaltsleiter Kolbner und Leiböffner Himek in einer Heilanstalt, in der dubiose Experimente durchgeführt werden. Der Autor will vieles auf einmal und ist bemüht, Gut/Böse-Schemata zu meiden. Ich bin beim Lesen gut zurecht gekommen, aber nach einigen anderen Rezensionen war mancher Leser mit der Fülle an Themen, Personen, Besonderheiten leicht überfordert.

Mit „Die Zwege von Amboss“ ist Thomas Plischke ein Experiment viel besser gelungen, als es der erste Blick auf dieses Buch vermuten läßt – ich könnte mir vorstellen, daß einige potentielle Käufer gar nicht darauf aufmerksam werden. Den zweiten Band habe ich ja nun schon (Mängelexemplar-Tisch sei dank) zu Hause, auch einen dritten Teil gibt es – alles weitere läßt derzeit noch auf sich warten. Insgesamt sollen es wohl einmal sieben Bände werden.

„Bevor die Zwerge die Bande des Glaubens abgestreift hatten, hatte der Mond als Bewahrer der Geheimnisse gegolten, vor dessen blaßrotem Auge nichts verborgen blieb und der viele Antworten geben konnte, sofern man ihm nur die richtigen Fragen stellte. Im Zeitalter der reinen Vernunft und der kritischen Wissenschaft war der Bewahrer jedoch verstummt, und Garep mußte sich allein auf seinen eigenen Scharfsinn bei der Lösung jener Rätsel verlassen, vor die ihn der Fall Namul Trotz stellte.“

… ein P für die Autoren-Lesechallenge 🙂

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