Paul Stewart & Chris Riddell: Barnaby Grimes ~ Die Legion der Toten

Oktober 8, 2011 at 20:40 (gelesen)

Ich bin ja nicht gerade ein ausgewiesener Fan von Zombiegeschichten – leider klingt der Titel „Die Legion der Toten“ genau danach. Leise Skepsis konnte mich trotzdem nicht davon abhalten, das Buch in der Bibliothek mitzunehmen, denn auf Paul Stewart und Chris Riddell konnte ich mich bisher noch immer verlassen.

Das sagt der Klappentext: „Überall auf den Friedhöfen der Stadt werden Gräber geplündert und verschwinden Leichen. Zunächst vermutet der Botenjunge Barnaby Grimes, daß Grabräuber die Totenruhe stören. Bis er eines Nachts auf dem Friedhof eine wahrhaft schauerliche Entdeckung macht, die seine schlimmsten Befürchtungen zur grausigen Gewißheit werden läßt…“

Wer wie ich für Zombies nicht so viel übrig hat, muß sich keine großen Sorgen machen. Erst am Ende taucht die titelgebende Legion tatsächlich auf; keineswegs springt den Leser auf jeder Seite ein lebender Toter an! Vor Monstern, Gewalt und Verletzungen haben die Autoren zwar keine Scheu, so viele Tote wie in den Klippenlanden gibt es aber nicht 😉

Wie die Welt der Klippenland-Chroniken ist auch die Welt von Barnaby Grimes voller phantasievoller Details. Sie fühlt sich nach 19. Jahrhundert an. Varietés, Zylinder, Kutschen, skurrile Einwohner – und natürlich ein paar Nebelschwaden auf den gefährlichen Straßen…

Barnaby Grimes ist ein sogenannter Tick-Tack-Junge und bewegt sich als Kaminspringer über die Dächer der Stadt.

„Meine Arbeit besteht darin, in der Stadt Bestellungen auszutragen – von staubigen Urkunden und Dokumenten, die unterschrieben werden müssen, bis zu der Kiste Ostafrikanischer Riesenschnecken, die ich erst am Vortag beim vornehmen Culloden Club für das jährlich stattfindende und ausschließlich Mitgliedern vorbehaltene Weichtierrennen abgeliefert habe.“

Das Buch ist bereits der dritte Teil der Reihe um Barnaby Grimes. Die Altersempfehlung lautet „ab 10 Jahren“ und ich würde auch sagen, daß hier jüngere Leser angesprochen werden als bei den Klippenland-Chroniken. Der Plot ist entsprechend geradlinig (vielleicht auch durch die Kürze bedingt) – nicht zu verwechseln mit allzu vorhersehbar, denn Stewart/Riddell gelingt es wie üblich, für ein paar kleine Überraschungen am Schluß zu sorgen. So spielt eine gewisse sechsarmige Göttin eine nicht zu unterschätzende Rolle… Für mich sind Gesamtkonzept und Detailverliebtheit insgesamt aber reizvoller als der Grundplot.

Die Gestaltung sollte last but not least ebenfalls erwähnt werden. Die Zeichnungen sind in Chris Riddells typischem Stil verfaßt – wenn man diesen mag, gibt es hier wieder einige wunderbare Illustrationen zu sehen. Außerdem gibt es Scherenschnitte am Ende jedes Kapitels, die zur Atmosphäre gut passen.

Man sollte hier keine hochkomplexe Literatur erwarten, das wäre aber bei Kinderbüchern wohl auch verfehlt. Glücklicherweise kommen die einzelnen Teile so langsam auch als Taschenbücher heraus und werden in dieser Form wohl von mir demnächst nachgekauft. Den Einstieg bietet übrigens „Der Fluch des Werwolfs“.

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10 Kommentare

  1. Winterkatze said,

    Irgendwie habe ich es bislang noch nicht geschafft ein Buch von Paul Stewart und Chris Riddell zu lesen, dabei schleiche ich schon so lange drumherum. Deine Rezi hat mir auf jeden Fall wieder Lust gemacht und ich hoffe, ich bekomme es endlich mal auf die Reihe in der Bibliothek danach die Augen aufzuhalten.

    Muss man die Reihenbände in der richtigen Reihenfolge lesen?

  2. Kiya said,

    Bei den Klippenland-Chroniken finde ich die Reihenfolge nicht ganz unwichtig, es gibt aber jeweils drei Bände zu Twig, Rook und Quint und da kann man z.B. die Quint-Bücher durchaus vor den Rook-Büchern lesen. Das erste Twig-Buch („Twig im Dunkelwald“) führt aber ganz gut in die Welt ein. Schwachpunkt bei diesem ersten Band war für mich, daß er mir sehr episodenhaft vorkam, aber das war in den späteren Teilen eigentlich kein Problem mehr.

    Bei Barnaby Grimes habe ich zuerst den zweiten, dann den ersten und nun den dritten Teil gelesen. Ich finde, daß die Geschichten jeweils abgeschlossen sind und deshalb nach Gusto gelesen werden können (bzw. je nachdem, wann sie in der Bibliothek verfügbar sind – wie in meinem Fall ;-)).

    Welche von beiden Reihen interessiert dich denn mehr?

    *nutzt die Gelegenheit, um auch noch einmal auf die ganzganz toll gestalteten Ottoline-Bücher von Chris Riddell hinzuweisen*

  3. Winterkatze said,

    Hihi, ich bin einfach grundsätzlich neugierig, hatte die Bücher aber in den letzten Jahren (seitdem ich nicht mehr in einer Kinderbibliothek arbeite 😉 ) aus den Augen verloren. Ich habe nur eben beim Lesen deines Beitrags gedacht, dass ich ja diese Woche, wenn ich meinen Ausweis verlängern lasse, mal in der Bibliothek gucke was da ist. Und das ist halt immer einfacher, wenn ich nicht auch auf die Reihenfolge der Bände gucken muss. Ansonsten merke ich mir demnächst einfach mal ein paar Bände vor und gucke dann, was wann bei mir eintrifft.

    Ich liebe nur immer den Online-Katalog! Gerade sagt er mir, dass von den Klippenland-Sachen Band 2, 10, 5, 6 und 9 vorhanden sind. Kann aber sein, dass bei den anderen Titeln nur das Stichwort nicht eingegeben wurde … Von den Barnaby Grimes scheinen drei Titel da zu sein …

  4. Kiya said,

    Ja, so ein Online-Katalog ist eine feine Sache (es sei denn, jemand hat Bücher an einem anderen Ort versteckt…). Das ist doch eigentlich genügend Auswahl, um erst einmal etwas zu finden. Vielleicht sind Band 2 und 5 am günstigsten. Den zehnten kenne ich selbst noch nicht, der scheint nicht mehr im Taschenbuch herauskommen zu wollen 😦

    Und falls es dir nicht gefallen sollte, hast du zumindest schöne Bilder zum Angucken 😉 Die Klippenland-Chroniken sind wie erwähnt streckenweise erstaunlich brutal, aber dafür ist die Welt wirklich mal etwas Neues und vollgestopft mit skurrilen Figuren.

  5. Winterkatze said,

    Uff, meine Bibliotheksleihliste ist inzwischen kaum kleiner als meine Wunschliste oder mein SuB … Da hilft es nicht, wenn man sich auf Blogs rumtreibt, die einen an Autoren erinnern oder neue Wünsche erzeugen! 😉

  6. Kiya said,

    Aber man kann ja doch nicht anders, oder? ^^
    Seit ich mehr im Internet schaue, habe ich so viele tolle Titel entdeckt, die ich nicht mehr missen möchte… Und ich habe kaum noch Fehlkäufe 🙂

  7. Winterkatze said,

    Ach, Fehlgriffe habe ich immer noch. Manchmal lasse ich mich von Begeisterung mitreißen, obwohl ich genau weiß, dass ein Buch nix für mich ist. 😀

  8. Kiya said,

    Wenn ich genau weiß, daß mir ein Buch nicht gefallen wird, ist meine Begeisterung normalerweise schon etwas gedämpft 😉 Wenn ich mal wirklich enttäuscht war, kann ich das Buch ja auch weiterverkaufen oder verschenken.

  9. Winterkatze said,

    Manchmal ist meine Neugierde einfach größer und überlistet mein besseres Wissen. 😉

    Was mich beim Weiterverkauf immer ärgert, ist der rasante Preisverfall. Wenn man schon Mühe hat für ein Buch, das keinerlei Lesespuren aufweist und im selben Monat erst rausgekommen ist, den halbe Neupreis zu bekommen, dann nutze ich im Zweifelsfall doch lieber die Bibliothek oder leihe mir das Buch von Bekannten.

  10. Kiya said,

    Weiterverkaufen klappt bei mir auch selten, normalerweise mache ich das dann auch bei Freunden so à la 3 Bücher für 10 €… Freu mich dann, wenn sie in gute Hände geraten und nicht weggeworfen werden müssen.

    Mehr als den halben Neupreis würde ich aber selbst auch ungern für Gebrauchtware bezahlen, da kann ich den Käufer schon verstehen.
    Aber Gegenbeispiele gibt’s ja auch, so ist der Preis für Kelley Armstrongs „Rückkehr der Wölfin“ total durch die Decke gegangen (schau mal beim Amazon-Marketplace – Wahnsinn!). Ich hab mich total gefreut, es vor kurzem für wenig mehr als 1 € zu erwischen ^^

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