Jonathan Barnes: Das Königshaus der Monster

September 8, 2011 at 11:17 (Aktionen, gelesen)

Das Buch lag eine ganze Weile auf meinem SuB, nun habe ich es endlich im Rahmen von Karis 7. Runde des Losbuchverfahrens gelesen.

Das sagt die Kurzbeschreibung: „Dieser Roman kündet vom Untergang des britischen Königshauses, vom letzten Krieg, von der Vernichtung unserer Welt. Serienkiller in Schuluniformen treiben ihr Unwesen genauso wie Männer mit Fischköpfen, mörderische Rockmusiker und körperlose Agentinnen. Und da ist Henry, ein gelangweilter Archivar im öffentlichen Dienst. Er ist auserwählt, dem Grauen Einhalt zu gebieten. Doch Sie, verehrte Leser, dürfen ihm nicht vertrauen! Er ist ein Lügner. An seinen Händen klebt Blut – das Blut der ganzen Welt … Jonathan Barnes erschafft eine einmalige Mischung aus Fantasy, Horror und Literatur.“

Jonathan Barnes kenne ich als Autor eigentümlicher Bücher bereits – „Das Alptraumreich des Edward Moon“ habe ich aber sehr viel schneller beendet. „Das Königshaus der Monster“ greift einige Elemente auf, die mir schon aus dem genannten ersten Roman bekannt waren, etwa Hawker und Boon, den (im Original) titelgebenden Domino Men – das sind die beiden, die auf dem Cover abgebildet sind (und die mit den „Serienkillern in Schuluniform“ gemeint sind…). Eine direkte Fortsetzung ist es trotzdem nicht, kann also auch problemlos eigenständig gelesen werden.

Barnes‘ Bücher sind in gewisser Hinsicht eine eher unangenehme Lektüre. Die Sprache ist bildhaft, poetisch und überdurchschnittlich, inhaltlich aber auch von Skurrilitäten und Grausamkeiten geprägt. Immer wieder spritzen Blut und Eingeweide. Das Buch läßt sich nicht leichtfertig einem Genre zuordnen, was ja normalerweise ein gutes Zeichen ist. Tatsächlich ist „Das Königshaus der Monster“ wie sein Vorgänger sehr eigenständig und ideenreich.

Der Anfang las sich flott, erst im Mittelteil zog sich die Geschichte für mich. Episoden, in denen Protagonist Henry Lamb umringt von zahlreichen weiteren originellen Figuren versucht, sich der Wahrheit um das geheimnisvolle Direktorium, seinen Großvater und sein Leben überhaupt zu nähern, wechseln sich ab mit Passagen, in denen es um das Königshaus geht, insbesondere um den drogensüchtigen Prinzen und die Ränkespiele der Königin. In der zweiten Hälfte wird es in seiner Abstrusität manchmal etwas zuviel des Guten und ermüdet den Leser eher als ihn mitzureißen.

Trotzdem sind die Bücher von Jonathan Barnes aufgrund ihrer Andersartigkeit zu empfehlen. Wer sich von einem völlig bizarren Plot, dem speziellen Schreibstil und einem gehörigen Schuß britischen Stils nicht abschrecken läßt, sollte einen Blick riskieren (aber vielleicht eher auf „Das Alptraumreich des Edward Moon“…).

„All die Menschen, die in fieberhafter Eile durch die Stadt gehetzt waren, drängten jetzt hinab zum Ufer; sie schlitterten in so verzückter, kopfloser Hast über das nasse Pflaster, daß die Gefahr bestand, sie würden schließlich im Wasser landen. Aber nein, sie machten gerade rechtzeitig Halt und fielen auf die Knie. Und dann hob jeder Einzelne von ihnen ehrfürchtig einen dieser herumliegenden Tentakel mit beiden Händen hoch und schob sich das Ende in unsagbarer Obszönität in den weit geöffneten Mund.“

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3 Kommentare

  1. Kari said,

    Ich habe von Barnes „Das Albtraumreich des Edward Moon“ gelesen und war von dem Buch allerdings irgendwie enttäuscht. Obwohl die Handlung wirklich einfach „anders“ ist, war ich nicht völlig begeistert. Aber „Das Königshaus der Monster“ wandert dennoch mal auf meinen Wunschzettel, irgendwie wurde meine Neugierde nun doch geweckt. 🙂

  2. Kiya said,

    Ja, zur völligen Begeisterung fehlt immer ein Stückchen, aber mir ist ein Autor, der etwas ausprobiert und von mir aus auch mal auf der Strecke ein wenig scheitert, lieber als der x-te Durchlauf vom Gleichen 🙂

    Daß mir das „Alptraumreich“ besser gefällt, ist natürlich fürchterlich subjektiv, also vielleicht ist das bei dir genau anders herum.

  3. Winterkatze said,

    Irgendwie befürchte ich, dass mir das Buch nicht gefallen würde, auf der anderen Seite hast du meine Neugierde geweckt – ich behalte den Titel (oder vielleicht besser „Das Alptraumreich des Edward Moon“) mal im Hinterkopf. 🙂

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