Agatha Christie: Hallowe’en Party

Juli 7, 2011 at 15:02 (gelesen)

Es handelt sich hierbei um einen der späteren Krimis um Hercule Poirot. Ich habe bisher erst zwei weitere seiner Fälle gelesen und mußte daher feststellen, daß ab und an auf vergangene Ereignisse Bezug genommen wurde, mit denen ich nicht so viel anfangen konnte. Es könnte also für Poirot-Einsteiger empfehlenswert sein, zuerst zu einem anderen Titel zu greifen („The Mysterious Affair at Styles“ etwa, das scheint der erste Poirot zu sein).

Darum geht’s in „Hallowe’en Party“ laut Klappentext:

„At a Hallowe’en party, Joyce—a hostile thirteen-year-old—boasts that she once witnessed a murder. When no one believes her, she storms off home. But within hours her body is found, still in the house, drowned in an apple-bobbing tub.

That night, Hercule Poirot is called in to find the ‚evil presence‘. But first he must establish whether he is looking for a murderer or a double murderer.…“

Zwischendurch hatte ich den Eindruck, daß die Handlung etwas dahinplätschert. Am Beginn steht die Kinderparty mit dem Mord an Joyce, und auch gegen Ende nimmt das Buch noch einmal Fahrt auf, aber der Mittelteil besteht weitgehend aus zahlreichen Gesprächen, die Poirot mit den Einwohnern der Kleinstadt führt. Nach und nach formt sich aus den einzelnen Informationen dann ein Bild. Es gilt dabei nicht nur den Mord an der 13jährigen, sondern auch das Verschwinden eines Au-Pair-Mädches zu klären. Das geht streckenweise etwas mühsam voran.

So vermag der eigentliche Plot nicht recht zu fesseln. Dafür hat das Buch aber viel Atmosphäre. Einige Orte, wie ein Steingarten, sind sehr stimmungsvoll beschrieben, einen besonders guten Eindruck kann man aber von den Personen gewinnen, die den Ort bewohnen. Sie sprechen umständlich, was aber authentisch wirkt. Häufig führt Poirot kleine Diskussionen zu Themen wie der „Jugend von heute“, dem Schulwesen oder ähnlichem – hier fühlt man sich durch etwas antiquierte Sichtweisen gleich ein paar Jahrzehnte zurückversetzt. Diese Einblicke fand ich recht interessant.

Schön ist auch der immer wieder mitschwingende Humor der Autorin. So hatte ich mit der Krimiautorin Mrs Oliver und deren Vorliebe für Äpfel viel Spaß (Äpfel ziehen sich quasi leitmotivisch durch das ganze Buch).

Mein Eindruck ist aber, daß Poirots Eigenheiten in anderen Romanen eher zum Vorschein kamen. Sein Auftreten in „Mord im Orient Express“ ist mir als ziemlich prägnant in Erinnerung geblieben, davon ist in „Hallowe’en Party“ weniger zu spüren. In der Hauptsache wird, wenn überhaupt, auf die unpassend eleganten Schuhe eingegangen.

Insgesamt vielleicht nicht der stärkste Titel von Agatha Christie, aber mir hat das Grundthema um die titelgebende Halloween Party gut gefallen. Nach einem schwächelnden Mittelteil wurde es am Ende auch noch einmal sehr spannend. Nicht empfehlenswert ist leider die deutsche Übersetzung, in der sehr viele Dialoge, die nicht akut handlungsrelevant sind, einfach gestrichen wurden.

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9 Kommentare

  1. Winterkatze said,

    Ich hatte sogar ganz vergessen, dass Mrs. Oliver bei dem Buch mitspielt – es wird wirklich mal wieder Zeit für einen Re-Read. 😉 Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ich die „Schneewittchenparty“ als einen schwächeren Christie-Roman in Erinnerung habe. Mrs. Olivers Anwesenheit könnte dafür eine gute Erklärung sein, denn sie dominiert (grundsätzlich) bei ihren Auftritten deutlich den schrulligen Hercule Poirot.

    Willst du dir demnächst noch einen Miss-Marple-Roman vornehmen? Da wäre ich sehr auf deine Meinung gespannt. 🙂

  2. kiyaliest said,

    Wow, ein Blitzkommentar! 🙂

    Der nächste Christie steht tatsächlich schon im Regal – ich habe mich brav an die Empfehlung gehalten, es wird „Murder at the Vicarage“, also ja: Miss Marple. Ich bin schon gespannt darauf, denn über sie habe ich bisher noch gar nichts gelesen. Vorher wird aber noch „Sorcery & Cecelia“ beendet.

    (In einer Rezension stand, daß immer, wenn Mrs Oliver auftaucht, ein Kind stirbt – stimmt das? Wie gruselig… ;-))

  3. Winterkatze said,

    Hihi, du hast anscheinend genau vor meiner Nachmittagsblogrunde gepostet. 😀

    Was Mrs. Oliver angeht, so habe ich da noch nie drüber nachgedacht, aber bei „Wiedersehen mit Mrs. Oliver“ stirbt ein Kind, bei „Elefanten vergessen nicht“ gibt es das Gerücht, dass eine Frau vor vielen Jahren zwei Kinder ermordet hatte, bei „Vier Frauen und ein Mord“ gibt es – wenn ich mich recht erinnere – eine Figur, die als Kind in Verdacht stand, jemanden ermordet zu haben, „Die Schneewittchenparty“ kann wieder mit einem toten Kind aufwarten ;), bei „Die vergessliche Mörderin“ kommen, glaube ich, gar keine Kinder vor, ebenso wie bei „Das fahle Pferd“ (hier allerdings gibt es am Anfang der Geschichte eine sehr junge Frau, die stirbt). Hm, habe ich noch etwas vergessen? Ich glaube, bei „Mit offenen Karten“ spielt sie auch eine Nebenrolle, aber da kann ich mich auch an keinen Zusammenhang mit Kindern erinnern …

    Argh, „Sorcery & Cecelia“ steht schon so lange auf meinem Wunschzettel … ich sollte mir das Buch endlich mal zulegen!

    Und du bist der Grund, warum ich heute mit fünf Agatha-Christie-Romanen aus der Bibliothek gekommen bin. Da ich an meine Sammlung gerade nicht herankomme, musste ich mir „Nikotin“ und „Black Coffee“, „Sie kamen nach Bagdad“ und They Came to Baghdad“ ausleihen. „Towards Zero“ ist auch gleich noch mitgekommen, auch wenn ich davon keine deutsche Ausgabe finden konnte. Dafür habe ich bei einem ersten Reinlinsen entdeckt, dass der Prolog in der deutschen Ausgabe wohl gestrichen wurde …

    Viel Spaß mit „Sorcery & Cecelia“ – und später mit Miss Marple! 🙂

  4. irina said,

    Die Handlung plätschert zwischendurch dahin? Nicht nur zwischendurch, finde ich, sondern auch direkt zu Anfang – weshalb ich immer noch nicht über Kapitel 4 hinausgekommen bin. Eigentlich spricht das Plätschern wirklich nicht für das Buch, zumal es ja nicht gerade lang ist! Komisch, dass ichs in guter Erinnerung habe!

  5. Winterkatze said,

    @Irina: Hatte ich nicht angedeutet, dass das nicht einer der besten Agatha-Christie-Romane ist? 😀

  6. Therry said,

    Oh, es ist sooo lange her, dass ich das Buch gelesen habe – ich liebe Agatha Christie 😀 … Halloween Party habe ich nicht allzu guter Erinnerung (trotz Hercule Poirot *.* – und es war immernoch ein guter Roman, aber mir haben andere Werke besser gefallen :-D)…

    Liebe Grüsse,
    Therry

  7. irina said,

    Winterkatze: Hattest du. ICH hatte ihn ja aber in guter Erinnerung.

  8. kiyaliest said,

    Vielleicht war ich ja einfach nachsichtiger, weil ich noch nicht so viel von Agatha Christie gelesen habe? *grübel* Wenn man erst noch ein paar bessere zum Vergleich hat…
    Naja, den Rahmen fand ich wie gesagt trotzdem ganz schön, aber ich kann mir vorstellen, daß Mrs Oliver über mehrere Bücher dann penetrant wird.

    Aber: ich scheine zur erneuten Christie-Lektüre anzuregen, und das ist doch toll 🙂 Ran an die Klassiker!

    @Winterkatze: Zu „Sorcery & Cecelia“ kommt demnächst noch was. Ich finde auf jeden Fall auch, daß du es dir zulegen solltest, mir hat’s gefallen 🙂

  9. Winterkatze said,

    Da auch die schlechteren Agatha-Christie-Romane unterhaltsam sind, muss man da doch gar nicht so nachsichtig sein. 😉

    Und eigentlich sollte ich mich auf meine Neuzugänge stürzen, damit der SuB nicht weiter anwächst! Trotzdem habe ich gerade viel zu viel Lust auf die Krimiklassiker. 😀

    Ich fürchte auch, dass ich mir „Sorcery & Cecelia“ zulegen muss, ich mag Patricia C. Wrede ja sehr gern – und die Idee klingt so gut. *ohje*

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